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BEDEL BOSELI
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„Yêrêvan xeber dide!" Die kurdischen Sendungen von Radio Eriwan: von Meryem Xan bis Eyşe Şan, die Stimmen des Aufnahmezeitalters und das Tonarchiv eines Volkes.

Radio Eriwan: Das Tongedächtnis der kurdischen MusikKultur und Gedächtnis
13. Juli 202613 Minuten Lesezeit10 views

Radio Eriwan: Das Tongedächtnis der kurdischen Musik

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Radio Eriwan: Das Tongedächtnis der kurdischen Musik

Auf einen Blick

  • Radio Eriwan, das aus der Hauptstadt Sowjetarmeniens sendete, begann 1955 mit kurdischsprachigen Sendungen. Die erste war ein Mal in der Woche, ein Nachrichtenbulletin von fünfzehn Minuten; über die Jahre wuchs es auf jeden Tag und neunzig Minuten. Die Ansage grub sich in das Gedächtnis der Generationen: „Yêrêvan xeber dide, guhdarên ezîz!" Also: „Eriwan meldet sich, liebe Hörer!"
  • In den Jahren, in denen das Kurdische verboten war, war diese Sendung eine freie Stimme von jenseits der Grenze. Auf der türkischen Seite versammelte man sich abends in den Dörfern am Radio; oft heimlich.
  • Das Radio brachte nicht nur Nachrichten; es nahm Kilams auf. Heute ist im Eriwaner Archiv von Tausenden kurdischen Aufnahmen die Rede. Eine mündliche Kultur wurde in diesem Studio zum Tonarchiv.
  • Die Wurzel des kurdischen Kulturlebens in Eriwan ist älter: Die lateinschriftliche kurmancî-sprachige Zeitung Riya Teze erschien seit 1930 in Eriwan.
  • In den ersten zwei Jahren bestand die gesamte Belegschaft des Radios aus zwei Personen: dem Leiter Casimê Celîl und der ersten, per Wettbewerb gewählten Sprecherin Enziva Reşid. Wer die Aufnahmen mehrte und das Archiv aufbaute, war die Zeit unter Halil Muradov, der 1957 ins Amt kam.
  • Zu den Stimmen des Radios zählten Namen wie Karapetê Xaço, Şeroyê Biro, Aslîka Qadir, Xana Zazê und Aramê Dîkran.
  • Es gab auch ein älteres Zentrum: Radio Bagdad, 1936 gegründet, begann mit täglich fünfzehn Minuten Kurdisch und dehnte die Sendung 1949 auf 2 Stunden 45 Minuten aus. Stimmen wie Meryem Xan und Hesen Zîrek wurden von dort aufgenommen.
  • Meryem Xan, Eyşe Şan, Hesen Zîrek: In diesem Text finden Sie die Geschichte der drei großen Stimmen des Aufnahmezeitalters.
  • Die These lautet: Das Radio wurde zum Konservatorium eines staatenlosen Volkes. Die Musik, deren Schule und Einrichtung verboten waren, gründete auf den Wellenlängen ihre Schule.

Ein Dorf in Serhed, jener Hochebene im äußersten Osten der heutigen Türkei, an einem Abend der 1960er Jahre. Der Tag ist verdunkelt, das Vieh ist im Stall. Auf dem Bord an der Stirnwand des Zimmers steht das kostbarste Stück des Hauses: ein batteriebetriebenes Radio.

Der Älteste des Hauses gibt ein Zeichen. Das Radio wird vom Bord genommen, die Kraft der Batterie ist bemessen, der Knopf wird zur rechten Zeit gedreht. Zuerst ein Rauschen. Dann ein feiner Pfeifton. Und dann füllt jener Satz aus einer fernen Stadt das Zimmer:

„Yêrêvan xeber dide, guhdarên ezîz!"

Eriwan meldet sich, liebe Hörer. Im Zimmer spricht niemand. Denn die Sprache, die aus dem Radio kommt, ist die Sprache, deren Gebrauch vor der Tür Ärger bringt. Nicht in der Schule, nicht vor Gericht, nicht im Staat. Und doch, hier auf den Wellenlängen, ist sie da. Und sie singt sogar.

Gleich beginnt ein Kilam. Vielleicht ist es Karapetê Xaços Stimme, vielleicht die von Susika Simo. Die alte Frau schließt die Augen. Die Kinder blicken auf die Kiste, aus der die Stimme kommt. Diese Kiste tut an solchen Abenden in einer Million Häusern dasselbe: Sie gibt einem Volk seine eigene Stimme zurück. Was tut ein Staat, wenn ein Sender jenseits der Grenze die Sprache singt, die er zum Schweigen bringen wollte?

Kurdisch in Eriwan: Woher kommt die Wurzel?

Dass diese Sendung aus Eriwan kam, war kein Zufall. Im Kaukasus, auf dem Gebiet des heutigen Armeniens, lebte eine alteingesessene kurdische Gemeinschaft; ihr größter Teil waren Êzîdî-Kurden. Die Möglichkeiten, die die Sowjetordnung in ihren ersten Jahrzehnten den Minderheitensprachen einräumte, öffneten dieser Gemeinschaft einen kulturellen Raum.

Das feste Dokument stammt von 1930: In jenem Jahr begann in Eriwan die Zeitung Riya Teze (in manchen Quellen Reya Teze) zu erscheinen. Der Name bedeutet „Neuer Weg"; sie wurde in lateinschriftlichem Kurmancî gedruckt. Sie ist einer der langlebigsten Namen der kurdischen Pressegeschichte; nach der Unterbrechung in den Stalin-Jahren erschien sie 1955 erneut, und Mîroyê Esed leitete die Zeitung volle vierunddreißig Jahre ohne Pause. Auch Schulen, Theaterarbeit und Folkloresammlungen sind Erzeugnisse dieses Umfelds. Familien wie die Familie Celîl sammelten Kilams und Märchen Dorf für Dorf und brachten sie zu Papier; diese Sammlungen zählen heute zu den Grundsteinen der kurdischen Folkloreforschung.

Der kurdische Teil des Radios wurde eben auf diesem Boden errichtet. Die wissenschaftliche Arbeit über Radio Eriwan gibt den Anfang genau wieder: Die kurdische Sendung begann 1955, ein Mal in der Woche, als Nachrichtenbulletin von fünfzehn Minuten. In den ersten zwei Jahren bestand die gesamte Belegschaft aus zwei Personen: dem Leiter der Abteilung, Casimê Celîl, und Enziva Reşid, die den Sprecherwettbewerb gewann und so zur Arbeit kam. Enziva Reşid blieb volle siebenundzwanzig Jahre an diesem Mikrofon. Kurdologen und Schriftsteller wie Haciye Cindî, Emînê Evdal und Erebê Şemo unterstützten die Sendungen; das heißt, der Wissenschafts- und Literaturstab der Sowjetkurden stand hinter dem Radio.

Der Wendepunkt ist 1957. Eine Kommission aus Moskau verlangte Rechenschaft über zwei Jahre und sah, dass es weder eine regelmäßige Aufnahme noch ein Archiv gab. Daraufhin wurde Halil Muradov an die Spitze des Radios gestellt; Casimê Celîl wurde Redakteur der Musikabteilung. Muradov blieb bis 1981 in diesem Amt, und in seiner Zeit öffnete sich das große Aufnahmezeitalter: Lieder und Spiele wurden auf Band genommen, die Sendung stieg von einem Tag in der Woche auf jeden Tag der Woche, von fünfzehn Minuten auf neunzig. Die Quellen verzeichnen auch den Anteil, den die Vorstöße von Mele Mustafa Barzani in Moskau am Anstieg der Sendezeiten hatten; dass das Gründungsjahr des Radios unmittelbar auf Barzanis Kontakte in der Sowjethauptstadt folgte, gilt nicht als Zufall.

Noch eine ehrliche Bemerkung: Dies war ein sowjetisches Staatsradio. Die Programme gingen durch Moskaus Zustimmung, in die Sendesprache sickerte die Ideologie der Zeit; das Lob des Kolchos und der Kilam lebten auf derselben Welle nebeneinander. Der zuhörende Dorfbewohner wusste das und sonderte selbst aus: Die Propaganda ging mit dem Abendwind, der Kilam blieb.

Die Kraft der fünfzehn Minuten: eine freie Stimme in den Jahren des Verbots

Das eigentliche Publikum des Radios war nicht in dem Land, in dem die Sendemasten standen. Es war in der Türkei, in Syrien, im Iran und im Irak, überall dort, wo Kurmancî gesprochen wurde.

Denken wir an die Zeit. In den 1950er und 60er Jahren war das Kurdische in der Türkei aus dem öffentlichen Raum getilgt: verboten in der Schule, abwesend im Rundfunk, sein Name kaum genannt. Im Staatsradio wurde kein einziges kurdisches Lied gespielt. Eben in diese Leere hinein überquerte am Abend das Mittelwellensignal von Eriwan die Grenze. Die Sprache, die der Staat getilgt hatte, kam vom Sender des Nachbarlandes zurück.

Dieses Zuhören war vielerorts nicht offen möglich. Die Zeugnisse erzählen dieselbe Szene: Das Radio wird leise gedreht, Tür und Fenster werden im Auge behalten, hört man einen fremden Schritt, wird der Sender gewechselt. Ein Lied zu hören ist eine kleine Sache des Mutes. Aber unverzichtbar: denn das Radio bringt nicht nur Musik, sondern auch Nachricht; es sagt auf Kurdisch, was in der Welt geschieht. Es verliest den Gruß des Soldaten in der Fremde, des ausgewanderten Verwandten. Es ist der klingende Brief einer verlorenen Welt.

Radio Eriwan hatte noch eine Aufgabe, und die ist geschichtlich die dauerhafteste: die Aufnahme. Diese Arbeit entstand nicht an einem Tag; in den ersten zwei Jahren wurde im Studio nicht einmal regelmäßig aufgenommen. Nach der Neuordnung von 1957 wurde das Studio zu einem Aufnahmezentrum: Dengbêj (die Sänger, die das Gedächtnis eines Volkes tragen), Stimmkünstler und Spiele kamen auf Band. Kilams, Klagelieder, Hochzeitsweisen wurden gesammelt, archiviert, bewahrt. Heute ist in jenem Archiv von Tausenden kurdischen Aufnahmen die Rede. Was wir mündliche Kultur nennen, ist flüchtig; stirbt der Sänger, stirbt auch das Wort. Das Eriwaner Studio ist ein Damm, der gegen diese Flüchtigkeit gebaut wurde. In unserem Text über die Dengbêj sprachen wir vom „mündlichen Archiv"; Eriwan ist eben dieses Archiv, auf Band gebannt.

Die am Mikrofon

Ein Archiv lebt von Namen. Nennen wir einige Namen des Eriwaner Mikrofons.

Karapetê Xaço: der große Kilam-Meister armenischer Herkunft. Eine Stimme, die 1915 entkam und das Kurdische wie eine Muttersprache sang. Seine Geschichte haben wir in unserem Dengbêj-Text ausführlich erzählt; hier sagen wir nur so viel: Hätte Radio Eriwan seine Stimme nicht aufgenommen, wäre eine der ergreifendsten Stimmen des 20. Jahrhunderts verloren gegangen.

Einige der anderen Namen in den Aufnahmen: Şeroyê Biro und Efoyê Esed, schwere Meister des Kilam. Aslîka Qadir und Xana Zazê, Vorläuferinnen der Frauenstimmen; sie kamen in einer Zeit auf Band, in der schon der Auftritt einer Frau am Mikrofon ein Politikum war. Aramê Dîkran, wie Karapetê Xaço eine Stimme armenischer Herkunft; er sang auf Kurdisch und wurde sehr geliebt. Egîdê Cimo stand als Meister der Blasinstrumente neben diesen Stimmen. Jeder trug den Klang einer Gegend aufs Band.

Bei den meisten dieser Namen sind Geburts- und Sterbedaten in den Quellen mit kleinen Abweichungen angegeben; das gemeinsame Schicksal von Leben, über die kein Register geführt wurde. Ihre Stimmen aber sind ohne Datum; heute liegen sie im digitalen Raum, einen Klick entfernt von jedem, der zu hören weiß.

Das andere Zentrum: Bagdads kurdische Welle

Eriwan war nicht allein, war nicht einmal das erste. Im Süden gab es ein älteres Zentrum: Radio Bagdad, gegründet 1936. Im Irak war das Kurdische nicht wie in der Türkei umfassend verboten; Radio Bagdad begann mit täglich fünfzehn Minuten Kurdisch und dehnte diese Zeit 1949 auf 2 Stunden 45 Minuten aus. Auch andere Sender traten dazwischen: Das Levant-Radio der französischen Verwaltung in Beirut sendete 1941 zweimal wöchentlich eine halbe Stunde auf Kurmancî; auch der britische Kriegssender jener Jahre trug Sendungen auf Soranî. Die Wellenlängen waren die Bühne, auf der die Staaten um den kurdischen Hörer wetteiferten.

Die geschichtliche Bedeutung dieses Dienstes ist groß, denn er hielt zwei gewaltige Stimmen fest.

Die eine ist Meryem Xan. Diese Frauenstimme, geboren 1904, ist der erste große kurdische weibliche Star des Aufnahmezeitalters; sie zählt zu den ersten kurdischen Frauen, die eine Schallplatte füllten. Ihre Stimme war zugleich kräftig und verwundet; die Kilams und Strans, die sie sang, wurden über Generationen wiederholt. 1949 starb sie in Bagdad. Heute wird ihr Name wie der Anfang der Frauenstimme in der kurdischen Musik genannt.

Die andere ist Hesen Zîrek. 1921 in Bukan geboren, wurde er zur größten Stimme des soranî-sprachigen Gesangs. Lesen und Schreiben konnte er so gut wie nicht; dafür trug er einen unerschöpflichen Liederschatz im Gedächtnis. In den Studios von Bagdad, Teheran und Kirmanschah füllte er Hunderte von Aufnahmen; manche Zählungen bringen seine Aufnahmen an die tausend heran, die genaue Zahl ist strittig. 1972 starb er. Bis heute ruht das Dach der soranî-sprachigen Musik auf seinen Schultern.

Zwei Radios, zwei Dialekte, eine Arbeit: Eriwan wurde die Tonbank des Kurmancî, Bagdad überwiegend die des Soranî. Kurmancî und Soranî sind die beiden großen Hauptzweige des Kurdischen. Das Konservatorium des staatenlosen Volkes wurde in den Studios zweier benachbarter Hauptstädte errichtet. Konservatorium heißt Musikschule; die der Kurden öffnete auf den Wellenlängen.

Eyşe Şan: eine Stimme, die durch das Verbot ging

Dieser Text hat noch eine Stimme, deren Geschichte alle Widersprüche des Aufnahmezeitalters in einem Leben sammelt: Eyşe Şan.

1938 wurde sie in Diyarbakır geboren; auch ihr Vater war ein Mensch des Wortes und der Stimme. Doch dass die eigene Tochter auf die Bühne trat, dass eine Frauenstimme sich unter die Öffentlichkeit mischte, dagegen waren Haus wie Viertel. Eyşe Şan wurde mit ihrer schönen, kräftigen Stimme zuerst auf Hochzeiten gehört; dann überstieg sie die Mauern ihres Hauses und ihrer Umgebung, gelangte nach Gaziantep, von dort nach Istanbul. Sie sang auf Kurdisch; sie füllte Schallplatten. Den Preis dafür zahlte sie mit dem Ausschluss aus der Familie, mit Einsamkeit und mit Jahren des Exils. Eine Zeit lang ging sie nach Deutschland; sie kehrte zurück; sie ließ sich in Izmir nieder und starb dort 1996.

In ihrer Stimme liegen zwei Verbote übereinander: das Verbot ihrer Sprache und das Verbot ihres Geschlechts. Auf keines hörte sie. Heute zählen Stücke wie „Qederê" zu den meistgesungenen Werken der kurdischen Musik. Die Linie, die von Meryem Xan bis Eyşe Şan reicht, ist der Stammbaum der kurdischen Frauenstimme im Aufnahmezeitalter; die älteren Wurzeln dieses Stammbaums finden Sie in unserem Text über die kurdischen Frauen.

Wie steht es um das Archiv, bei wem liegt das Erbe?

Und heute? Das goldene Zeitalter von Radio Eriwan liegt zurück; die Sowjetunion zerfiel, die Sendezeiten schrumpften, das Publikum zog zum Fernsehen und ins Internet.

Doch das Archiv steht. Die kurdischen Bänder in den Lagern des armenischen Rundfunks sind ein Schatz, den Forscher und Musiker in den letzten Jahren neu entdecken. Es gibt Bemühungen um die Digitalisierung der Aufnahmen, also die Überführung von den Bändern in digitale Dateien; ein Teil hat das Internet schon erreicht. Junge kurdische Musiker holen sich aus jenen Aufnahmen Melodien; Forscher schreiben Abschlussarbeiten; Enkel finden auf ihrem Telefon die Stimme, die ihr Großvater in seiner Jugend hörte.

Dennoch ist eine ehrliche Warnung nötig: Band verdirbt, Archiv braucht Pflege. Die vollständige Digitalisierung dieser Aufnahmen und ihre Öffnung für die Allgemeinheit ist eine der greifbarsten Aufgaben, die vor den kurdischen Kulturinstitutionen liegen. Das hundertjährige Tongedächtnis eines Volkes ist zu wertvoll, um es dem Lager einiger gutwilliger Einrichtungen zu überlassen.

Jenes Haus, das am Abend das Radio leise drehte, gibt es heute nicht mehr. Aber die Enkel der Kinder, die in jenem Haus aufwuchsen, hören dieselben Kilams jetzt bei offener Lautstärke. Das ist die hundertjährige Arbeit einer halbstündigen Sendung: die Stimme zu bewahren, um sie ihrem Eigentümer zurückzugeben. In Deutschland, wo heute die größte kurdische Gemeinschaft außerhalb der Herkunftsregion lebt, hört man diese Stimme in vielen Wohnzimmern wieder.

Häufige Fragen

Wann begann Radio Eriwan mit kurdischen Sendungen? 1955. Die erste Sendung war ein Mal in der Woche, ein Nachrichtenbulletin von fünfzehn Minuten; die erste Belegschaft bestand nur aus zwei Personen. Nach der Neuordnung von 1957 stieg die Sendung auf jeden Tag der Woche und neunzig Minuten.

Was bedeutet „Yêrêvan xeber dide"? Es bedeutet „Eriwan meldet sich". Die Eröffnungsansage „Yêrêvan xeber dide, guhdarên ezîz!" (Eriwan meldet sich, liebe Hörer!) hat sich in das gemeinsame Gedächtnis der Generationen gesetzt.

Warum war Radio Eriwan so wichtig? Aus zwei Gründen: In den Jahren, in denen das Kurdische verboten war, war es eine freie kurdische Stimme von jenseits der Grenze; und in seinem Studio nahm es Tausende Kilams und Lieder auf und schuf so eines der größten Tonarchive der kurdischen Musik.

Wer sind Meryem Xan und Eyşe Şan? Meryem Xan (1904-1949) zählt zu den ersten kurdischen Frauenstimmen, die eine Schallplatte füllten; bekannt ist sie durch die Bagdader Aufnahmen. Eyşe Şan (1938-1996), geboren in Diyarbakır, ist trotz des Drucks von Familie und Gesellschaft eine der kräftigsten kurdischen Frauenstimmen des Aufnahmezeitalters.

Sind die Aufnahmen heute zugänglich? Ein Teil ja: Es gibt Bemühungen um die Digitalisierung der Archive, und zahlreiche Aufnahmen sind im digitalen Raum im Umlauf. Die Bewahrung des gesamten Archivs und seine Öffnung für die Allgemeinheit sind noch eine unvollendete Aufgabe.

Quellen und weiterführende Literatur

Hauptquellen (aus der Sammlung Bedel Boseli):

  • Die wissenschaftliche Arbeit „Kurdischsprachige Radiosendungen im Nahen Osten: das Beispiel Radio Eriwan (1955-1990)"; von hier stammen die Zahlen zu Gründung, Belegschaft und Sendezeiten.
  • Celîlê Celîl und Ordîxanê Celîl, Zargotina Kurda I (Sammlung der kurdischen mündlichen Kultur).
  • Dr. Mehrdad R. Izady, The Kurds: A Concise Handbook (4. Auflage), die Kulturkapitel.

Weiterführende Literatur:

  • Salihê Kevirbirî, Karapetê Xaço (Elma Yayınları, 2005).
  • Xelîlê Çaçan, Cewahirên Kurdî (Lis, 2010).
  • Amir Hassanpour, Nationalism and Language in Kurdistan, 1918-1985 (1992), die Radiokapitel.
  • Wendelmoet Hamelink, The Sung Home (Brill, 2016), die Kapitel zu Aufnahme und Radio.
  • Die Zeitung Riya Teze (Eriwan, ab 1930) und die Literatur über die Sowjetkurden.

Social-Media-Kurztexte

Die folgenden Kurztexte sind zum Teilen gedacht; einfach kopieren und verwenden.

  1. „Yêrêvan xeber dide, guhdarên ezîz!" In den Jahren, in denen Kurdisch verboten war, trat dieser Satz von jenseits der Grenze in Millionen Häuser. Wie eine Radioansage zum Gedächtnis wurde: bedelboseli.com/de/radio-eriwan-kurdische-musik

  2. Die Musik, deren Schule verboten war, gründete auf den Wellenlängen ihre Schule. Das Eriwaner Studio nahm Tausende Kilams auf Band: das Konservatorium eines staatenlosen Volkes. bedelboseli.com/de/radio-eriwan-kurdische-musik

  3. Das Radio wird leise gedreht, Tür und Fenster werden im Auge behalten. Ein Lied zu hören war eine Sache des Mutes. Die Sprache, die der Staat tilgte, kam vom Sender des Nachbarn zurück: bedelboseli.com/de/radio-eriwan-kurdische-musik

  4. In Eyşe Şans Stimme lagen zwei Verbote übereinander: das ihrer Sprache und das ihres Geschlechts. Auf keines hörte sie. Der Preis war das Exil, das Erbe sind bis heute gesungene Lieder: bedelboseli.com/de/radio-eriwan-kurdische-musik

  5. Stirbt der Sänger, stirbt das Wort; so lautet das Schicksal der mündlichen Kultur. Das Eriwaner Archiv ist ein Damm, gegen dieses Schicksal gebaut. Jetzt gilt es, den Damm zu bewahren: bedelboseli.com/de/radio-eriwan-kurdische-musik

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