Auf einen Blick
- Die erste türkische Enzyklopädie der Geschichte, der Kamûs'ul-A'lâm, erschien zwischen 1889 und 1898 in Istanbul in sechs Bänden. Ihr Verfasser war Şemseddin Sami.
- Der Name der Enzyklopädie bedeutet „Enzyklopädie der Eigennamen“. Die sechs Bände umfassen zusammen 4.830 Seiten und stammen aus der Feder eines einzigen Mannes.
- Der Artikel „Kurdistan“ steht im fünften Band von 1896; auf den Seiten 3840 bis 3843 nimmt er sieben Spalten ein. Der Artikel bezeichnet Kurdistan als „ein großes Land“.
- Der Artikel beschreibt das Land der Kurden Grenze für Grenze, erörtert seine Bevölkerung, fasst Sprache, Erwerb und Geschichte zusammen. Er reicht bis zu den Karduchen Xenophons zurück.
- In Dutzenden weiteren Artikeln der Enzyklopädie fällt der Name Kurdistan: Bitlis wird als „eine Stadt in Kurdistan“ vorgestellt, Kirkuk als „eine Stadt in der Provinz Mossul in Kurdistan“.
- In diesem mit staatlicher Billigung gedruckten Buch gibt es keinen Artikel mit dem Namen „Türkei“; denn zu jener Zeit gab es kein Land und keine Region, die diesen Namen trug.
- Die Artikel übersetzte M. Emin Bozarslan aus dem Osmanischen ins heutige Türkisch. Die über drei Jahre dauernde Durchsicht erschien 2001 als Buch bei Deng Yayınları.
- Bozarslan hatte zum hundertsten Jahr des Artikels, 1996, die erste Übersetzung veröffentlicht. Derselbe Autor hat auch die Scherefname ins Türkische gebracht.
- Der bleibende Wert des Buches: Der Name eines Volkes und seines Landes ist im offiziellsten Regal der Wissenswelt des 19. Jahrhunderts verzeichnet.
Istanbul, Babıâli-Straße, 1896. In der Druckerei an Nummer sieben drehen sich die Maschinen. Der Besitzer der Druckerei ist ein armenischer Verleger: Mihran Efendi. Gedruckt wird der fünfte Band eines riesigen Projekts, das seit neun Jahren läuft. Der Setzer bindet an diesem Tag die Seite 3840. Der Artikel am Kopf der Seite beginnt so: „Kurdistan: in Westasien... ein großes Land.“
Das Buch ist nicht verboten. Im Gegenteil: Am Anfang jedes Bandes steht geschrieben, dass das Bildungsministerium das Werk „mit Anerkennung und Lob“ habe drucken lassen. Der Staat hat es also gutgeheißen, gebilligt.
Hundert Jahre vergehen. Diesmal sitzen wir an einem Schreibtisch in Schweden. Ein Schriftsteller im Exil überträgt dieselbe Seite von der arabischen in die lateinische Schrift. Sein Name ist M. Emin Bozarslan. Zwischen den beiden Männern stehen eine Schriftreform und eine lange Zeit der Verleugnung. Bozarslans Anliegen ist schlicht: Jeder soll wieder lesen können, was auf jener Seite steht.
Dieser Text ist die Geschichte jener Seite und jener Arbeit.
Sechs Bände in neun Jahren: der Kamûs'ul-A'lâm
Machen wir uns zuerst mit dem Werk vertraut. Der Kamûs'ul-A'lâm ist die erste türkische Enzyklopädie der Geschichte. Ihr erster Band erschien 1889, der sechste und letzte 1898 in Istanbul. Der Name ist arabisch: „kamûs“ heißt großes Wörterbuch, „a'lâm“ heißt Eigennamen. Bozarslan übersetzt den Titel als „Enzyklopädie der Eigennamen“. So wie der deutsche Leser den Brockhaus oder das Meyers Konversations-Lexikon kennt, war dieses Werk das erste türkische seiner Art.
Die Ausmaße schrecken noch heute. Sechs Bände, zusammen 4.830 Seiten, jede zweispaltig. Bozarslan rechnet vor: Da die arabische Schrift weniger Platz braucht, ergäbe das Werk in lateinischer Schrift etwa zwölf Bände, 9.660 Seiten. Was steht darin? Alle bedeutenden Personen, von den Propheten bis zu den Malern; alle Länder, von Norwegen bis Chile; Städte, Berge, Flüsse, Meere.
Und all das schrieb ein einziger Mann. Kein Gremium, kein Sekretariat, nicht einmal eine Schreibmaschine. Bozarslan begegnet dieser Arbeit mit einem einzigen Wort: Genie. Wer aber war dieses Genie?
Wer war Şemseddin Sami?
Şemseddin Sami wurde 1850 in Fraşer geboren, im heutigen Albanien, im Bezirk von Yanya. Er war ein osmanischer Gelehrter albanischer Herkunft. Er besuchte das griechische Lyzeum in Yanya. Neben seiner Muttersprache Albanisch beherrschte er Osmanisch, Arabisch, Persisch, Französisch, Italienisch und Griechisch. 1871 ließ er sich in Istanbul nieder; 1880 ernannte ihn der Hof zum Schriftführer der Militärinspektionskommission.
Seine Feder ruhte nicht. Er schrieb französisch-türkische und türkisch-französische Wörterbücher. 1886 veröffentlichte er die Grammatik seiner eigenen Muttersprache, die „Albanische Grammatik“. Der als erster türkischer Roman geltende „Taaşşuk-ı Tal'at ve Fıtnat“ trägt seine Unterschrift, ebenso das berühmte Wörterbuch des Türkischen, der „Kamûs-ı Türki“. Als Verfasser von mehr als zwanzig Büchern starb er 1904 in Istanbul.
Man betrachte dieses Bild: Ein albanischer Schriftsteller, der ein griechisches Lyzeum besucht, schreibt das Wörterbuch des Türkischen und macht Kurdistan zu einem Artikel in einer türkischen Enzyklopädie. Es ist die vielvölkische Wirklichkeit der osmanischen Welt des 19. Jahrhunderts, und der Grundgedanke von Bozarslans Vorwort: In jener Welt hatten die Namen der Völker ihren Platz und wurden frei geschrieben.
„Ein großes Land“: was der Kurdistan-Artikel sagt
Kommen wir zum Artikel. „Kurdistan“ steht im fünften Band, 1896 erschienen; er beginnt auf Seite 3840, endet auf 3843: sieben Spalten. Für eine Enzyklopädie ein beachtlicher Raum.
Der Artikel öffnet mit dieser Bestimmung: Kurdistan sei ein großes Land in Westasien, dessen größter Teil unter osmanischer Herrschaft stehe, ein Teil an Iran gebunden, und es trage seinen Namen von dem kurdischen Volk, das die Mehrheit seiner Bevölkerung bilde. Sami merkt ehrlich an: Dieser Name sei geographisch, nicht administrativ; da die Kurden verstreut und mit anderen vermischt lebten, sei eine genaue Grenze schwer zu ziehen. Und doch zieht er sie: ein Land, das sich von den Seen von Urmia und Wan bis zu den Flüssen Kercheh und Diyala erstreckt, einem Dreieck ähnlich, „genauer gesagt einer Birne“. Länge etwa 900 Kilometer. Nachbarn: Aserbaidschan, das persische Irak, Loristan mit dem arabischen Irak, Cezire und Anatoli.
Der Artikel erörtert auch die Bevölkerung. Er gibt die Gesamtzahl der Kurden mit nahezu zweieinhalb Millionen an; anderthalb Millionen davon entfielen auf osmanisches Gebiet. Sami schreibt, die Kurden seien nicht auf Kurdistan beschränkt: In den Gegenden von Aleppo und Damaskus, überall in Anatolien, im Kaukasus, in Chorasan, sogar in Afghanistan gebe es Kurden.
Eine Warnung an den heutigen Leser: Diese Zahlen gehören ins Jahr 1896. Sie sagen nichts über die heutige Bevölkerung, die man auf zwischen 30 und 45 Millionen schätzt und die zu den größten staatenlosen Völkern des Nahen Ostens zählt. Die Enzyklopädie zählte ihre Zeit, nicht unsere.
Dann kommt das Land selbst. Berge, Weiden, Flüsse, die zum Tigris eilen. Erzeugnisse: Weizen, Gerste, Tabak, Baumwolle, Reis. Sogar das aus Zwergeichenblättern gesammelte Manna, das man statt Zucker verwendet, ist verzeichnet. Er notiert Erdöl im Süden; das Jahr ist 1896, und bis das Öl von Kirkuk zur Weltfrage wird, fehlt ein Vierteljahrhundert. Der Transport hängt an einem einzigen Fahrzeug: den Flößen auf dem Tigris.
Der historische Teil ist noch interessanter. Sami erwähnt Xenophon: Der griechische Feldherr war 401 vor unserer Zeitrechnung in diesen Bergen einem Volk namens „Kardux“ begegnet. Für Sami ist Kardux die griechische Aussprache des Namens „Kurd“; also waren diese Länder schon vor 2.300 Jahren von Kurden bewohnt. Der Artikel reicht von dort bis in die Zeit der Meder und Assyrer, in die islamische Epoche, zu Saladin, dem Sultan, der den Kreuzfahrern gegenüberstand, und bis 1514: Die kurdischen Fürsten hätten sich durch die Vermittlung von Idris-i Bitlisi aus eigenem Willen auf die osmanische Seite gestellt.
In der Sprachfrage ist der Artikel zwiespältig. Einerseits schreibt er, das Kurdische ähnele dem Persischen und der noch viel älteren Sprache Pahlavi; er erkennt die Existenz kurdischer Gedichte und literarischer Bücher an. Was Sami damals erspürte, benennt die Sprachwissenschaft heute klar: Kurdisch und Persisch gehören beide zur iranischen Sprachfamilie, jener Sprachfamilie, der auch das Persische angehört. Andererseits nennt er die Sprache „hart und grob“. Und er macht ein bemerkenswertes Eingeständnis: Die Europäer hätten Grammatik und Wörterbuch des Kurdischen längst veröffentlicht; „in unseren islamischen Sprachen“ aber sei über diese Sprache noch nichts geschrieben worden. Dieser eine Satz erklärt, warum die Kurdologie zuerst in Rom und in Petersburg geboren wurde; jene Geschichte haben wir in einem eigenen Beitrag erzählt.
Wo ist der Artikel solide, wo ist er veraltet?
Wie soll man einen hundertzwanzig Jahre alten Enzyklopädieartikel heute lesen? Mit zwei Augen: mit Achtung und mit Kritik.
Die solide Seite ist klar. Geographie, Städtelisten, Erzeugnisse, Stammesordnung, Konfessionen: die geordnetste türkische Zusammenfassung der Zeit. Sami spricht maßvoll; wo er etwas nicht weiß, sagt er „annähernd können wir sagen“. Ein Kopf, der Quellendisziplin schätzt.
Es gibt auch veraltete Seiten. Der Artikel hält den Ursprung der Meder für unbekannt und schreibt, man habe sie für „turanisch“, also für türkischer Abstammung, gehalten. Eine damals umlaufende Behauptung; die heutige Forschung stellt die Meder unter die Völker mit iranischer Sprache. Auch die Kurden bindet Sami nicht an die Meder, sondern an eine Wanderung aus dem Osten; dieses Ursprungsschema ist ebenfalls heute umstritten. Bozarslan merkt an, dass diese „Annahme“ der unter den Kurden verbreiteten medischen Überzeugung widerspricht, und erinnert an die 1919 erschienene Artikelreihe des kurdischen Schriftstellers Xelîl Xeyalî. Mit der Gleichsetzung von Kardux und Kurd verhält es sich ähnlich: In Samis Zeit galt sie als sicher, die spätere Sprachwissenschaft öffnete sie der Debatte. Hier teilt sich die Forschung noch immer.
Und dann ist da ein Bodensatz von Vorurteil. Die Bezeichnung der Sprache als „hart und grob“ ist kein Wissen, sondern eine Gewohnheit des Ohrs. Nachdenklich stimmt auch das Fehlen der kurdisch schreibenden Dichter, Ehmedê Xanîs, Melayê Cizîrîs, Feqiyê Teyrans, als eigene Artikel in der Enzyklopädie. Kurdische Gelehrte, die auf Arabisch und Persisch schrieben, finden Platz im Buch; die in ihrer eigenen Sprache schrieben, finden keinen. Bozarslan hält diese Lücke offen fest: Jene Dichter waren in den osmanischen Kulturkreisen nicht bekannt. Die Enzyklopädie ist durch das Blickfeld ihrer Zeit begrenzt; was sie nicht sah, ist nicht das Nichtvorhandene.
Die Karte ist nicht nur ein Artikel
Das Zeugnis des Kamûs'ul-A'lâm endet nicht mit einem Artikel. Bozarslan hat die sechs Bände Seite für Seite durchgesehen und gezeigt: Der Name Kurdistan ist in das Gewebe der Enzyklopädie eingewoben.
Beispiele aus dem Buch: Der Artikel „Anatoli“ schreibt, die Region sei im Südosten „von Kurdistan, Cezire und Syrien begrenzt“. Der Artikel „Irak“ lässt die Region oberhalb von Bagdad beginnen; Irak ist im Artikel also der südliche Nachbar Kurdistans. Der Artikel „Bitlis“ stellt die Stadt als „eine Stadt in Kurdistan“ vor; der Artikel „Kerkük“ sagt „eine Stadt in der Provinz Mossul in Kurdistan“. Der Artikel „Asya-yı Osmani“ teilt das osmanische Asien in fünf Teile: Anatoli, Syrien, Cezire, Irak und Kurdistan. In den Artikeln über den Tigris, über Wan, über das Botan-Wasser, über den Ararat fällt stets derselbe Name.
Auch zur Bevölkerung gibt es ein interessantes Dokument. Nach der Tabelle im Artikel „Memalik-i Osmaniye“ leben im Reich etwa elfeinhalb Millionen Araber, zehn Millionen Türken, anderthalb Millionen Kurden. Bozarslan legt dar, dass dies der amtliche Eintrag ist und die wirkliche Zahl mit den im bergigen Land nicht Erfassten weit höher liegen, vielleicht das Doppelte betragen könne. Ebenso zeigt er zwei Druckfehler im Artikel: Die für die Kurden Irans gesetzte 7.500 müsste 750.000 heißen. Gute Editionsarbeit: die Quelle zugleich wiedergeben und prüfen.
Und die berühmte Lücke: In dieser riesigen Enzyklopädie gibt es keinen Artikel „Türkei“. Es gibt einen Artikel „Türken“, als Volk; aber als Land oder Region taucht die Türkei in der Wissenswelt von 1898 noch nicht auf. Bozarslans Vorwort baut darauf eine scharfe politische Auseinandersetzung und zieht einen bitteren Vergleich mit den Verboten des 20. Jahrhunderts: Der Name, hundert Jahre zuvor frei, war hundert Jahre später verboten. Wir nehmen den urkundlichen Kern: So sah die Karte der Namen 1898 aus. Den Rest wägt der Leser auf seiner eigenen Waage.
Die Übersetzung, hundert Jahre später: Bozarslans Arbeit
Warum aber mussten diese Artikel überhaupt neu übersetzt werden? Weil die Schriftreform von 1928 eine Mauer zwischen die neuen Generationen und diese Quelle zog. Für den Leser, der das Türkische in arabischer Schrift nicht lesen konnte, war der Kamûs'ul-A'lâm eine verschlossene Truhe.
Der Mann, der die Truhe öffnete, war M. Emin Bozarslan, ein Veteran des kurdischen Verlagswesens, mit solchen Arbeiten vertraut: Ehmedê Xanîs Mem û Zîn hatte er 1968 mit dem Türkischen zusammengeführt, die Scherefname 1971 ins Türkische übersetzt; die Geschichte jener Übersetzung steht in unserem Beitrag über die Scherefname. Im Exil hatte er zwischen 1985 und 1988 die kurdische Zeitschrift JÎN aus dem Istanbul von 1918 und 1919 in fünf Bänden neu herausgegeben.
Die Arbeit ging so voran. Zum hundertsten Jahr des Kurdistan-Artikels, im November 1996, ließ Bozarslan dessen Übersetzung in der Istanbuler Wochenzeitung Hêvî in zwei Teilen erscheinen. Dann vergrößerte er die Aufgabe: Er sah alle sechs Bände durch und übersetzte alle Artikel, die Kurdistan und die Kurden betrafen. Diese über drei Jahre reichende Arbeit wurde zuerst in den Zeitungsseiten als Fortsetzung abgedruckt; im März 2001 erschien sie als Buch bei Deng Yayınları: „Tarihteki İlk Türkçe Ansiklopedide Kürdistan ve Kürdler“.
Auch die Grundsätze der Übersetzung sind bemerkenswert. Bozarslan bewahrt die Ortsnamen in der Form der Enzyklopädie: Diyarbekir, Wan, Melazıkürd, Xerput. Neben die Hidschra-Daten setzt er die Entsprechungen unseres Kalenders, ans Ende des Buches Hunderte Erläuterungsanmerkungen. Auch den Namen des Volkes schreibt er bewusst als „Kürd“; den Grund erklärt er eigens: Der Ursprung dieses Namens sei in allen Sprachen mit „d“. Man stimmt zu oder nicht; doch der Grund ist klar und stützt sich auf den Beleg.
Warum es zählt, dass ein Name verzeichnet ist
Zurück zur Ausgangsfrage. Warum macht man sich um einen Enzyklopädieartikel solche Sorgen?
Weil eine Enzyklopädie so etwas ist wie das Grundbuchamt der Wissenswelt. Ein Name, der dort eingetragen ist, ist in das gemeinsame Wissen seiner Zeit eingetreten. Der Kamûs'ul-A'lâm war keine kurdische Propaganda; er war ein Nachschlagewerk, das in Istanbul mit staatlicher Billigung für jedermann gedruckt wurde. Kurdistan steht darin in seinen zugeteilten sieben Spalten. Die Kälte der alphabetischen Ordnung verwandelt sich hier in die Kraft des Zeugnisses: Der Artikel versucht niemanden zu überzeugen; er zeichnet nur auf.
Man sehe die Ironie der Geschichte: Der letzte Band der Enzyklopädie erschien 1898. Im selben Jahr begann in Kairo die erste kurdische Zeitung zu erscheinen; auch ihr Name war Kurdistan. Ihre Geschichte haben wir als „eine Meldung des Daseins“ erzählt. Stellt man beide nebeneinander, wird das Foto der Jahrhundertwende scharf. Eine Stimme von innen bringt im Exil ihre eigene Zeitung heraus; ein Aufzeichner von außen schreibt denselben Namen in die Enzyklopädie der Hauptstadt. Das eine ist Meldung, das andere Beleg. Der Name eines Volkes ist im selben Augenblick in seiner eigenen Stimme und auf dem Wissensregal seiner Zeit.
Bozarslans Buch hat uns jenes Regal wieder geöffnet. Die Lettern der Druckerei von Babıâli sind längst zerstreut; die Seite steht. Eine gute Aufzeichnung überlebt die Druckerei.
Häufige Fragen
Was ist der Kamûs'ul-A'lâm? Es ist die von Şemseddin Sami verfasste Enzyklopädie der Eigennamen, die zwischen 1889 und 1898 in Istanbul in sechs Bänden erschien. Sie gilt als die erste türkische Enzyklopädie der Geschichte; sie enthält auf 4.830 Seiten Wissen über Personen, Länder, Städte und geographische Namen.
Gibt es in der Enzyklopädie einen Kurdistan-Artikel? Ja. Der Artikel „Kurdistan“ steht im fünften Band von 1896, auf den Seiten 3840 bis 3843, und bezeichnet Kurdistan als „ein großes Land“. Außerdem fällt der Name Kurdistan in Dutzenden Artikeln wie Bitlis, Kerkük, Wan und Tigris; es gibt auch einen kurzen Artikel „Kürd“.
Wer war Şemseddin Sami? Ein 1850 in Fraşer geborener osmanischer Schriftsteller und Lexikograph albanischer Herkunft. Er ist der Verfasser des Kamûs-ı Türki und des ersten türkischen Romans. 1904 starb er in Istanbul.
Wer hat diese Artikel ins Türkische gebracht? M. Emin Bozarslan. Den Kurdistan-Artikel übersetzte und veröffentlichte er zu dessen hundertstem Jahr, 1996; danach sah er die sechs Bände durch und übersetzte alle Artikel über die Kurden. Die Arbeit erschien 2001 als Buch bei Deng Yayınları. Bozarslan ist auch der Übersetzer der Scherefname und von Mem û Zîn.
Warum gibt es in der Enzyklopädie keinen Artikel „Türkei“? Weil es in den Jahren, in denen die Enzyklopädie geschrieben wurde, kein Land und keine geographische Region mit dem Namen Türkei gab; der Name des Staates war das Osmanische Reich. Im Buch steht ein Artikel „Türken“ als Volk. Dieser Befund ist einer der Punkte, die der Übersetzer Bozarslan im Buch belegt hat.
Quellen und weiterführende Literatur
Hauptquellen (aus der Sammlung Bedel Boseli):
- Şemseddin Sami, Tarihteki İlk Türkçe Ansiklopedide Kürdistan ve Kürdler, aus dem Osmanischen übersetzt von M. Emin Bozarslan (Deng Yayınları, Istanbul, März 2001). Alle Artikelzitate, Band- und Seitenzahlen, Erscheinungsjahre und Übersetzeranmerkungen dieses Textes stammen aus diesem Buch.
- Der Abschnitt „Vorwort“ desselben Buches: die Angaben zur Enzyklopädie, die Lebensgeschichte Şemseddin Samis und die Methode der Übersetzung.
- Der Abschnitt „Erläuterungen und ergänzende Angaben“ desselben Buches: die Korrekturen der Druckfehler, die Anmerkungen zur Xenophon- und zur Meder-Debatte.
Weiterführende Literatur:
- Şemseddin Sami, Kamûs-ı Türki (1899-1900); nach Bozarslans Wiedergabe zählt der Artikel „Kurdistan“ in der Ausgabe von 1900 auch den Osten und Norden von Cezire zu Kurdistan.
- Die von M. Emin Bozarslan neu herausgegebenen Bände der Zeitschrift JÎN (1985-1988) und seine Übersetzung der Scherefname (1971).
- Ehmedê Xanî, Mem û Zîn, Übersetzung von M. Emin Bozarslan.
Social-Media-Kurztexte
Die folgenden Kurztexte sind zum Teilen gedacht; einfach kopieren und verwenden.
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Istanbul, 1896. Die erste türkische Enzyklopädie, mit staatlicher Billigung gedruckt, schrieb in ihrem fünften Band: „Kurdistan: in Westasien, ein großes Land.“ Die Geschichte eines Artikels von sieben Spalten: bedelboseli.com/de/kurdistan-in-der-ersten-enzyklopaedie
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Im Kamûs'ul-A'lâm ist Bitlis „eine Stadt in Kurdistan“, Kirkuk „eine Stadt in Kurdistan“. Und ein Artikel „Türkei“? Fehlt; denn diesen Namen gab es damals nicht: bedelboseli.com/de/kurdistan-in-der-ersten-enzyklopaedie
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Ein albanischer Schriftsteller schrieb die erste Enzyklopädie des Türkischen ganz allein und machte Kurdistan zu einem Artikel. Die Aufzeichnung des Şemseddin Sami: bedelboseli.com/de/kurdistan-in-der-ersten-enzyklopaedie
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Die Schriftreform schloss die Quelle in die Truhe. M. Emin Bozarslan sah sechs Bände durch und machte die kurdischen Artikel hundert Jahre später wieder lesbar: bedelboseli.com/de/kurdistan-in-der-ersten-enzyklopaedie
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Im selben Jahrzehnt zwei Aufzeichnungen: 1898 in Kairo die Zeitung Kurdistan, in Istanbul der letzte Band der Enzyklopädie. Das eine Meldung, das andere Beleg: bedelboseli.com/de/kurdistan-in-der-ersten-enzyklopaedie
