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BEDEL BOSELI
Vegere Gotaran

Kommt der Name Córdoba vom Wort „Kurde"? Was sagen die vorislamischen Quellen?

Der Ursprung des Namens CórdobaGeschichte und Identität
6. August 202615 Minuten Lesezeit31 views

Der Ursprung des Namens Córdoba

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Kommt der Name Córdoba vom Wort „Kurde"? Was sagen die vorislamischen Quellen?

Gegenstand dieses Artikels: die Stadt Córdoba in Spanien. In der islamischen Geschichte ist sie unter ihrem arabischen Namen Qurṭuba (قرطبة) bekannt; sie war die Hauptstadt des umayyadischen al-Andalus. Der Artikel beantwortet zwei Fragen:

  • Hat dieser Name eine Verbindung zum Wort „Kurde"?

  • War der Name schon vor dem Islam, also vor der muslimischen Eroberung von 711, für diese Stadt in Gebrauch?

ZUSAMMENFASSUNG

Die Antwort auf die erste Frage: nein. Der Name „Córdoba" hat keinerlei sprachliche Verbindung zum Wort „Kurde". In der Fachliteratur hat kein einziger Spezialist jemals eine solche These vertreten. Die Behauptung stützt sich allein auf einen Gleichklang und ist damit ein Lehrbuchbeispiel für Volksetymologie.

Die Antwort auf die zweite Frage: ja, der Name existierte lange vor dem Islam. Bronzemünzen aus der Münzstätte von Corduba tragen bereits um die Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. (168-151) die Aufschrift CORDVBA. Julius Caesar nennt die Stadt in seinem Bericht über den Bürgerkrieg von 49-45 v. Chr. „Cordubae" und „Cordubam". Strabon (um 7 v. Chr.) schreibt Κόρδυβα, Plinius der Ältere (77 n. Chr.) „Corduba colonia Patricia cognomine". Der Name ist also rund 800 Jahre vor der muslimischen Eroberung von 711 schriftlich belegt.

Auch der innere Aufbau des Namens bestätigt das. „Corduba" ist kein einheitlicher Block: Cord + uba. Die Endung „-uba/-oba" kehrt in den vorrömischen Ortsnamen Südiberiens (dem tartessisch-turdetanischen Raum) immer wieder: Onuba (heute Huelva), Ossonoba (heute Faro), Salduba, Maenuba. Wer im Namen „Kurd" sehen will, muss das Wort an der falschen Stelle zerschneiden.

Die stärkste heute verfügbare Etymologie (Robert Knapp 1983, 2024 von Jesús Rodríguez Ramos neu begründet): Certis, der von Livius überlieferte einheimische Name des Guadalquivir, plus -uba = „Stadt am Fluss". Certuba > Corduba.

Auch die arabische Seite ist eindeutig. Qurṭuba (قرطبة) beruht auf den Wurzelkonsonanten q-r-ṭ-b, „Kurde" (كرد) dagegen auf k-r-d. Nicht ein einziger Wurzelkonsonant stimmt überein; schon die Anfangsbuchstaben sind verschieden (qāf gegenüber kāf). Die Ähnlichkeit entsteht erst in der türkischen Schreibung, weil das Türkische beide arabischen Buchstaben mit demselben „k" wiedergibt. Ein Zufall des Alphabets, keine historische Verbindung.

Und schließlich: Für al-Andalus (711-1492) gibt es keine belegte kurdische Bevölkerung, keine kurdische Militäreinheit und keinen Andalusier, der in den Primärquellen die Nisba „al-Kurdī" trüge.

1. ZWEI FRAGEN, ZWEI ANTWORTEN

Die beiden Fragen sind verschieden, aber ihre Antworten stützen einander:

  • War der Name vor dem Islam in Gebrauch? Eindeutig ja; die Belege sind zahlreich und stammen aus erster Hand.

  • Hat der Name eine Verbindung zum Wort „Kurde"? Nein; es gibt keinerlei Belege.

Tatsächlich erledigt die Antwort auf die erste Frage die zweite weitgehend mit. Das einzige historische Fenster, durch das Kurden die Iberische Halbinsel überhaupt hätten erreichen können, ist die islamische Eroberung von 711. Wenn der Name acht Jahrhunderte vor diesem Datum schriftlich belegt ist, war das Fenster geschlossen, bevor es sich je öffnete.

2. DIE VORISLAMISCHEN BELEGE

In chronologischer Reihenfolge, vom ältesten zum jüngsten:

Hinzu kommt: Drei berühmte römische Autoren wurden in Corduba geboren, Seneca der Ältere, Seneca der Jüngere und der Dichter Lucan, und die römischen Schriftsteller halten das ausdrücklich fest. Nach 45 v. Chr. erhielt die Stadt den Namen Colonia Patricia Corduba und wurde Hauptstadt der Provinz Baetica.

Das Münzzeugnis wiegt am schwersten. Nach den Katalogen der hispanischen Münzstätten bewahren die kleinen Bronzemünzen aus der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. den einheimischen Ortsnamen: CORDVBA. Die Römer haben den Namen also nicht erfunden; sie haben einen vorgefundenen Namen latinisiert. Der Name ist älter als Rom selbst.

3. DIE SIEDLUNG IST ÄLTER ALS ROM

Auf dem Hügel Colina de los Quemados („Hügel der Verbrannten") im Gebiet des Parque Cruz Conde im heutigen Córdoba haben Archäologen eine tartessisch-turdetanische Siedlung ausgegraben, die bis in die Bronzezeit zurückreicht. Die Grabungen fanden 1964 unter Rafael Castejón durch Juan Bernier und Javier Fortea statt, 1966 durch José María Luzón und Diego Ruiz Mata. Im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. war der Ort eines der regionalen Verteilzentren für attische Keramik.

Strabon berichtet, der Prokonsul Marcus Claudius Marcellus habe die Stadt um 169-168 v. Chr. (nach manchen Historikern 152-151 v. Chr.) „gegründet". Die moderne Archäologie korrigiert dieses Bild: Marcellus baute keine Stadt auf leerem Boden; er gründete die römische Kolonie rund 750 Meter neben der bestehenden einheimischen Siedlung, und beide bestanden eine Zeit lang nebeneinander (Ruiz Bueno und Rubio Valverde, Antiquitas 34, 2022). Antonio Monterroso Checa von der Universität Córdoba geht noch weiter und deutet die „Gründung" als symbolische Neugründung der bestehenden tartessischen Siedlung (2026; ein neuer, noch umstrittener Vorschlag).

Es gibt auch eine Gegenposition

Alicia M. Canto (Latomus 50/4, 1991) argumentiert, das Wort ktisma bei Strabon bedeute „städtebauliche Ausgestaltung" und nicht Gründung aus dem Nichts, und der fragliche Marcellus könne der Neffe des Augustus (gest. 23 v. Chr.) gewesen sein. Diese Debatte betrifft das Gründungsdatum, nicht das Alter des Namens: Wie auch immer sie ausgeht, die Münzen zeigen im 2. Jahrhundert v. Chr. bereits CORDVBA.

4. DER AUFBAU DES NAMENS: WARUM NICHT „KURD"

Hier liegt der Kern der Sache.

„Corduba" ist kein unteilbares Wort. Seine Endung „-uba" (andernorts „-oba") ist ein wiederkehrendes Element der vorrömischen Ortsnamen Südiberiens:

  • Onuba : heute Huelva

  • Ossonoba : heute Faro in Portugal

  • Salduba : in der Baetica; die genaue Lage ist unsicher, meist bei Marbella angesetzt

  • Maenuba : bei Málaga, zusammen mit einem gleichnamigen Fluss

  • Corduba : Córdoba

Alle diese Orte liegen am Meer, an Flüssen oder an Flussmündungen. Deshalb weisen die Philologen dem Element „-uba" die Bedeutung „Wasser" oder „Siedlung, Stadt" zu.

Ein einfacher Vergleich

Die Wörter „Kurdistan", „Pakistan" und „Hindustan" teilen die Endung „-stan" mit der Bedeutung „Land". Niemand folgert daraus: „Das stan in Pakistan ist dasselbe wie das stan in Kurdistan, also ist Pakistan kurdischen Ursprungs." Eine Endung ist eine Endung; die Bedeutung sitzt in der Wurzel.

In Corduba ist die Endung „-uba"; übrig bleibt „Cord-". Und für diese Wurzel lautet die stärkste Erklärung so:

Die These von Knapp und Rodríguez Ramos (die beste verfügbare Erklärung)

Der einheimische, vorrömische Name des Guadalquivir war Certis. Livius überliefert ihn (Ab Urbe Condita 28.22: „Baetim fluvium, quem incolae Certim appellant", also „der Fluss Baetis, den die Einheimischen Certis nennen"). Certis + uba = „Stadt des Certis", mit anderen Worten „Stadt am Fluss". Die Form Certuba wurde bei der Latinisierung zu Corduba.

Robert Knapp schlug dies 1983 vor (Roman Córdoba); vierzig Jahre lang nahm kaum jemand Notiz davon. 2024 hat Jesús Rodríguez Ramos von der Universität Barcelona die These in der Zeitschrift Antiquitas („Una etimología para Córdoba, Tartessos, Taršiš y algunas cuestiones de lengua turdetana") neu begründet und sie „muy plausible y la mejor existente, con gran diferencia" genannt (sehr plausibel und mit großem Abstand die beste verfügbare).

Auch die ernsthaften Konkurrenzvorschläge erklären „Cord-" aus einer einheimischen Wurzel. Francisco Villar schlägt das vorindogermanische oder indogermanische Element kar-/kort- „Fels, Stein" vor; in dieser Lesart bedeutet der Name etwa „felsiger Ort am Fluss".

Kein einziger Vorschlag enthält „Kurd", und das ist kein Zufall. Um „Kurd" in den Namen hineinzubekommen, müsste man das Wort als Kurd + uba zerteilen und dann erklären, woher der Vokal der ersten Silbe (o/u) stammt und warum sämtliche Nachbarorte dieselbe Endung tragen. Kein Sprachwissenschaftler hat das getan, weil es nicht möglich ist.

5. DIE PHÖNIZISCHE THESE: POPULÄR, ABER SCHWACH

Eine weitere oft gehörte These leitet den Namen aus dem Phönizisch-Punischen ab: Qart-Ṭūba, „gute Stadt". Sie wurde 1799 von José Antonio Conde vorgeschlagen und kursiert bis heute in Reiseführern und Blogbeiträgen.

Die moderne Fachwelt akzeptiert sie nicht. Die Formel von C. F. Seybold und Manuel Ocaña Jiménez wird in der Literatur immer wieder zitiert: Der Name ist „mit Sicherheit nicht semitisch, sondern altiberisch".

Daneben existiert eine „Kart-Juba"-Variante: Der karthagische Feldherr Hamilkar Barkas habe die Stadt um 230 v. Chr. zu Ehren eines numidischen Generals namens Juba benannt. Auch dafür gibt es keine Primärquelle.

Warum ist das wichtig? Weil Volksetymologie immer nach demselben Muster arbeitet: Man findet ein ähnlich klingendes Wort, hängt ihm eine Bedeutung an und erfindet dazu eine historische Erzählung. „Qart-Tuba" und „Kurd-uba" sind zwei Versionen desselben Fehlers.

Die spanische Wikipedia fasst es ehrlich zusammen: „El significado etimológico del nombre de la ciudad ha sido largamente discutido en la historiografía y no existe en la actualidad consenso al respecto" (die etymologische Bedeutung des Stadtnamens ist in der Geschichtsschreibung lange diskutiert worden, und es besteht bis heute kein Konsens). Kein Konsens; aber auf keiner Seite dieser Debatte kommen Kurden vor.

6. DIE ARABISCHE SEITE: DIE WURZELN PASSEN NICHT ZUSAMMEN

Das Arabische baut seine Wörter aus Wurzelkonsonanten. Wurzelkonsonanten sind wie die Grundsteine eines Hauses: Die Wandfarbe mag ähnlich wirken, doch sind die Fundamente verschieden, sind es verschiedene Häuser.

Nicht ein einziger Wurzelkonsonant ist gemeinsam. Schon die Anfangsbuchstaben unterscheiden sich: hier qāf (ق), dort kāf (ك). Für einen arabischen Muttersprachler rufen die beiden Wörter einander überhaupt nicht in Erinnerung.

Woher kommt dann die Ähnlichkeit? Aus der türkischen Schreibung

Das türkische Alphabet besitzt nur einen Buchstaben „k", der sowohl das arabische qāf als auch das kāf wiedergibt. So wird aus dem arabischen Qurṭuba im Türkischen „Kurtuba", das dem Auge wie ein Verwandter von „Kürt" (Kurde) erscheint. Im Spanischen („Córdoba") und im Arabischen (قرطبة) existiert diese Illusion nicht. Sie entsteht erst im türkischen Alphabet.

HINWEIS ZU TÜRKISCHEN QUELLEN. Die türkische Literatur zur islamischen Geschichte schreibt die Stadt fast immer „Kurtuba" (so etwa die TDV-Islam-Enzyklopädie in ihrem Eintrag „Kurtuba"). Diese Schreibung ist nicht falsch, hat aber eine Nebenwirkung: Sie schiebt türkische Leser in Richtung der Assoziation Kürt/Kurtuba. Ein Blick auf die Originalformen (lateinisch Corduba, arabisch قرطبة, spanisch Córdoba) löst die Assoziation sofort auf.

7. WARUM KLINGT „CORD-" VERTRAUT?

Die Intuition ist nicht leer; sie klopft nur an die falsche Tür. In der kurdischen Geschichte gibt es tatsächlich alte Namen mit dem Klang „Kord-/Kard-":

Der Klang „Cord-" existiert also tatsächlich in der Geographie Kurdistans. Aber er reist nicht bis ins spanische Corduba. Ähnliche Laute an zwei verschiedenen Orten sind kein Beweis sprachlicher Verwandtschaft. Das türkische „kar" (Schnee) und das englische „car" (Auto) werden fast gleich ausgesprochen und haben nichts miteinander zu tun.

8. AUCH DIE GLEICHUNG „KARDUCHOI = KURDEN" IST UMSTRITTEN

Hier ist Ehrlichkeit geboten. Dies ist eines der umstrittensten sprachwissenschaftlichen Dossiers der kurdischen Geschichte. Alle drei Positionen gehören auf denselben Tisch.

THESE: die kontinuitätsorientierte Lesart

G. R. Drivers Aufsatz „The Name Kurd and its Philological Connexions" (Journal of the Royal Asiatic Society 55/3, 1923, S. 393-403) konstruiert eine Kette zwischen sumerisch Karda/Qarda, assyrisch Qurṭie, griechisch Karduchoi und dem Wort „Kurde". Driver selbst räumt ein, die Verbindung sei wegen der unsicheren Lautwerte des Sumerischen „nicht gesichert".

Mehrdad Izady führt diese Linie in The Kurds: A Concise Handbook (1992) fort: Er wertet den Kurti/Qurṭie-Beleg von etwa 1100 v. Chr. als „ältesten Beleg des kurdischen Namens", ordnet die Karduchoi als eine der später im kurdischen Ethnos aufgegangenen Bevölkerungen ein und schlägt ein geschichtetes Kontinuitätsmodell vor, das bis zur Halaf- und Hurriter-Schicht zurückreicht.

ANTITHESE: die philologisch-minimalistische Lesart

Theodor Nöldeke verwarf die Karduchoi-Verbindung bereits am Ende des 19. Jahrhunderts. Nach seiner Auffassung geht „Kurde" auf eine ältere Form kurt zurück, die im Griechischen als Κύρτιοι (Kyrtioi) erscheint: „Kurd ist also aus einer älteren Form kurt entstanden, die uns in der griechischen Form κύρτιοι begegnet."

D. N. MacKenzie („The Origins of Kurdish", Transactions of the Philological Society 60, 1961, S. 68-86) nennt die Karduchoi-Gleichung den ewigen „Favoriten", zeigt aber, dass sie auf nichts als oberflächlichem Gleichklang beruht, und sieht die einzigen klaren Erwähnungen von Kurden in den klassischen Quellen vor unserer Zeitrechnung in den Kyrtioi bei Polybios, Livius und Strabon.

Garnik Asatrian („Prolegomena to the Study of the Kurds", Iran and the Caucasus 13, 2009, S. 1-58) erklärt die Verbindung für „überholt" (S. 25) und argumentiert, in den vorislamischen Pahlavi-Texten sei kurt noch kein Ethnonym gewesen, sondern eine soziale Bezeichnung mit der Bedeutung „Nomade, Zeltbewohner, Hirte" (S. 23-24).

Der Eintrag „Gordyene" der Encyclopaedia Iranica (Michał Marciak) ist unmissverständlich: Die alte Wurzel Qardū „ist mit der Wurzel Kurd- nicht verwandt. Das antike Gordyene und seine Bewohner können daher nicht als Vorfahren der modernen Kurden gelten."

SYNTHESE

Drei Dinge können zugleich wahr sein, und höchstwahrscheinlich sind sie es.

Erstens: Asatrian ist kein neutraler Schiedsrichter. Er ist Herausgeber der Zeitschrift Iran and the Caucasus, und seine polemische Haltung gegenüber den Kurdischen Studien ist gut dokumentiert; Izadys Handbuch nennt er gar „phantasmagorisch". Das widerlegt seine Argumente nicht, heißt aber, dass man sie nicht als einzige Stimme nehmen darf.

Zweitens: Izady ist gerade in diesem Punkt schwach. Sein Kontinuitätsmodell ist äußerst ehrgeizig, und seine sprachliche Stütze geht selten über Gleichklang hinaus. Izadys eigentliche Stärke liegt in Geographie, Demographie und historischer Periodisierung Kurdistans, nicht in der reinen Etymologie.

Drittens, und für diesen Artikel entscheidend: Auf welcher Seite dieser Debatte man auch steht, das Ergebnis ändert sich nicht. Weder Driver noch Izady, weder Nöldeke noch MacKenzie noch Asatrian, niemand schlägt eine Verbindung vor, die bis zur Iberischen Halbinsel reicht. Selbst die großzügigste Version der Kontinuitätslesart verlässt nie die Linie Zagros-Taurus, Obermesopotamien und den Kaukasus.

9. GAB ES KURDEN IN AL-ANDALUS?

Das ist eine eigene und berechtigte Frage. Die Antwort: Es gibt keine belegte kurdische Präsenz.

Das Eroberungsheer von 711 bestand aus Berbern unter Tariq ibn Ziyad und den arabischen Verstärkungen des Musa ibn Nusayr. Der syrische Dschund des Balj ibn Bishr, der 741 eintraf und zur „syrischen" Schicht von al-Andalus wurde, stammte aus den fünf Militärbezirken Syriens: Damaskus, Jordanien, Qinnasrin, Homs und Palästina, dazu Ägypten. Die Dschazira (Obermesopotamien), die Region mit der dichten kurdischen Bevölkerung, fehlt in dieser Liste.

Die übliche ethnische Gliederung der andalusischen Gesellschaft lautet: Araber (Baladis und Syrer), Berber, Muwalladun (konvertierte Einheimische), Saqaliba (europäische Militärsklaven), Mozaraber (einheimische Christen) und Juden. Kurden erscheinen in keiner dieser Listen.

Das bemerkenswerte Detail: Selbst der Eintrag „Kurtuba" der türkischen TDV-Islam-Enzyklopädie zählt bei der Bevölkerung der Stadt Araber, Franken, Slawen, Syrer, Berber, Griechen, Goten, Hispano-Römer und Schwarze westafrikanischer Herkunft auf, aber keine Kurden. Das Fehlen der Kurden ist also nicht die Vorliebe einer parteiischen Quelle, sondern eine konsistente Leerstelle über alle Quellenfamilien hinweg.

Auch ein Andalusier mit der Nisba „al-Kurdī" lässt sich in den Primärquellen nicht finden.

10. DIE ZIRYAB-AKTE: DIE BEHAUPTUNG, DIE TATSÄCHLICH KURSIERT

Dieser Abschnitt ist ein Anhang, denn es gibt eine türkische Internet-Erzählung, die weit verbreiteter ist als die Behauptung über den Stadtnamen: „Ziryab war Kurde."

Ziryab (Abu l-Hasan Ali ibn Nafi, gest. 857) war der Musiker und Kulturschaffende, der von Bagdad nach Córdoba zog; ihm wird zugeschrieben, die Oud, neue Moden und verfeinerte Tischsitten nach al-Andalus gebracht zu haben.

Türkische populäre Publikationen nennen ihn regelmäßig „Ziryab den Kurden". Ihre Belege sind dünn:

  • Die unbelegte Behauptung, „die meisten englischen und spanischen Quellen" bezeichneten ihn als Kurden.

  • Der satirische Seitenhieb eines rivalisierenden Dichters (Abu Dulamas Anspielung auf „deine kurdischen Vorfahren"), der als genealogischer Beweis behandelt wird. Eine Beleidigung in einem Gedicht ist kein Ausweisdokument.

Die Spur der „Kurden"-Behauptung in der englischen Wikipedia führt auf eine einzige Quelle zurück: John Gill, Andalucía: A Cultural History (Oxford, 2008), S. 81. Das ist ein populäres Reise- und Kulturbuch, keine akademische Studie.

Die ernsthafte Forschung sagt etwas anderes. Dwight Reynolds („Al-Maqqarī's Ziryāb: The Making of a Myth", 2008) zeigt, dass die mittelalterlichen Primärquellen (Ibn Abd Rabbih, Ibn Hayyan) ihn als schwarz beziehungsweise dunkelhäutig (aswad) beschreiben, und wertet den „persischen" Stammbaum als spätere Rückkonstruktion. Auch der Eintrag „Ziryâb" der TDV-Enzyklopädie bietet nur zwei Möglichkeiten an: persisch (schwach, auf den Namen gestützt) oder afrikanisch (stärker, auf die physische Beschreibung gestützt). Eine kurdische Option kommt nicht vor. Kein mittelalterliches arabisches biographisches Lexikon gibt ihm die Nisba „al-Kurdī".

Kurz: Die wirklich diskussionswürdige Frage zu al-Andalus ist nicht der Name der Stadt, sondern die Identität Ziryabs. Und auch dort ist die kurdische These nach heutigem Stand unbelegt.

11. METHODISCHER HINWEIS: WIE MAN SOLCHE BEHAUPTUNGEN PRÜFT

Bei jeder Behauptung des Typs „Ortsname X stammt vom Volk Y" genügen drei Schritte:

  1. Die älteste Schriftform suchen. Nicht die heutige türkische oder englische Schreibung, sondern die Originalform. Für Córdoba sind das die Münzen des 2. Jahrhunderts v. Chr.

  2. Das Wort an der richtigen Stelle teilen. In Ortsnamen sitzt das Suffix meist am Ende. Wer „-uba" nicht abtrennt und in Corduba „Kurd" sieht, sieht auch „Kurdistan" in „Pakistan".

  3. Das Zeitfenster prüfen. Wann war der behauptete Kontakt überhaupt möglich? Ist der Name älter als das Fenster, bricht die Behauptung schon am Anfang zusammen.

12. WAS WIR NICHT WISSEN

Der Ehrlichkeit halber: Dies sind die Grenzen dieses Artikels.

  • Die genaue Bedeutung des Elements „Cord-" ist unbekannt. Die Certis-These ist die stärkste verfügbare, aber nicht gesichert, denn die turdetanische Sprache ist noch unzureichend entschlüsselt. Rodríguez Ramos selbst beansprucht keine Gewissheit.

  • Die genaue Bedeutung von „-uba" ist umstritten: „Wasser", „Stadt" oder ein allgemeineres Ortsnamensuffix. Die Existenz des Elements steht nicht in Frage; seine Bedeutung schon.

  • In Córdoba wurde bislang keine vorrömische Münze und keine Inschrift in iberischer oder punischer Schrift mit dem Stadtnamen gefunden. Das ist eine Lücke; die Numismatik akzeptiert jedoch, dass die lateinischen Münzen den einheimischen Namen bewahren.

  • Das Datum der Gründung durch Marcellus (169-168 v. Chr., 152-151 v. Chr. oder eine augusteische Ausgestaltung) bleibt umstritten.

Keine dieser Unsicherheiten öffnet der „Kurd"-These eine Tür. Die gesamte Debatte spielt sich innerhalb der einheimischen Sprachen der Iberischen Halbinsel ab.

FAZIT

Der Name Córdoba hat mit dem Wort „Kurde" nichts zu tun und ist rund acht Jahrhunderte vor dem Islam schriftlich belegt. Seine Wurzel gehört zu den vorrömischen Sprachen Iberiens selbst, höchstwahrscheinlich zum einheimischen Namen des Guadalquivir. Die Ähnlichkeit, die die türkische Schreibung „Kurtuba" erzeugt, ist ein Zufall des Alphabets, keine historische Verbindung.

QUELLEN

Antike Quellen

  • Titus Livius, Ab Urbe Condita 28.22 („Baetim fluvium, quem incolae Certim appellant").

  • Xenophon, Anabasis 3.5.15-17; 4.1.3-4.3.2 (die Karduchoi).

  • Polybios, Historien 5.52 (die Kyrtioi).

  • Julius Caesar, De Bello Civili 2.19; 2.21 (Cordubae, Cordubam).

  • Strabon, Geographika 3.2.1 (Κόρδυβα); 11.13.3 und 15.3.1 (Kyrtioi); 16.1.24-25 (Gordyene).

  • Plinius der Ältere, Naturalis Historia 3.10 („Corduba colonia Patricia cognomine").

  • Klaudios Ptolemaios, Geographia 2.4 (Baetica) und 5.12.2 (Gordyene).

Etymologie und Archäologie Córdobas

  • Knapp, Robert C. (1983), Roman Córdoba, University of California Press. (Erste Fassung der These Certis + -uba.)

  • Rodríguez Ramos, Jesús (2024), „Una etimología para Córdoba, Tartessos, Taršiš y algunas cuestiones de lengua turdetana", Antiquitas 36. Dialnet-Eintrag: dialnet.unirioja.es/servlet/articulo?codigo=9262972

  • Ruiz Bueno, Manuel D. und Rubio Valverde, Manuel (2022), Antiquitas 34. (Zum Verhältnis von römischer Kolonie und einheimischer Siedlung.)

  • Canto, Alicia M. (1991), „Colonia Patricia Corduba: nuevas hipótesis sobre su fundación y nombre", Latomus 50/4, S. 846-857.

  • Villar, Francisco: Studien zur prähistorischen Hydronymie der Iberischen Halbinsel (das Element kar-/kort-).

  • Conde, José Antonio (1799): der punische Vorschlag qart ṭūbah „gute Stadt". (Historisch bedeutsam; heute abgelehnt.)

  • Seybold, C. F. und Ocaña Jiménez, Manuel: die Gegenformel; der Name ist „sicher nicht semitisch, sondern altiberisch".

  • Cordópolis / eldiario.es, „El origen del nombre de Córdoba": cordopolis.eldiario.es

  • Tesorillo, Katalog der hispanischen Münzstätten, Eintrag CORDVBA: tesorillo.com/hispania/2latinas1.htm

  • Spanische Wikipedia, „Córdoba (España)", Abschnitt Toponimia.

Die Debatte um das Ethnonym „Kurde" und Corduene

  • Driver, G. R. (1923), „The Name Kurd and its Philological Connexions", Journal of the Royal Asiatic Society 55/3, S. 393-403.

  • Nöldeke, Theodor (1898): die Herleitung Kurd < kurt < Kyrtioi (zitiert bei Asatrian 2009, S. 26, Anm. 31).

  • MacKenzie, D. N. (1961), „The Origins of Kurdish", Transactions of the Philological Society 60, S. 68-86.

  • Minorsky, Vladimir (1927 ff.), „Kurds, Kurdistan", Encyclopaedia of Islam.

  • Izady, Mehrdad R. (1992), The Kurds: A Concise Handbook, Taylor & Francis.

  • Asatrian, Garnik (2009), „Prolegomena to the Study of the Kurds", Iran and the Caucasus 13, S. 1-58.

  • Marciak, Michał, „GORDYENE"; Schmitt, Rüdiger, „CYRTIANS" (2013); Dandamayev, Muhammad, „CARDUCHI": alle in der Encyclopaedia Iranica.

  • James, Boris (2014), „Arab Ethnonyms (ʿAjam, ʿArab, Badū and Turk): The Kurdish Case as a Paradigm...", Iranian Studies 47/5.

Al-Andalus und Ziryab

  • Reynolds, Dwight (2008), „Al-Maqqarī's Ziryāb: The Making of a Myth", Middle Eastern Literatures 11/2.

  • TDV-Islam-Enzyklopädie, Einträge „Kurtuba" und „Ziryâb": islamansiklopedisi.org.tr

  • Gill, John (2008), Andalucía: A Cultural History, Oxford University Press, S. 81. (Die einzige populäre Stütze der Behauptung, Ziryab sei Kurde; keine akademische Studie.)

Anmerkung zur Quellenkritik

Das Hauptgewicht dieses Artikels liegt auf der englisch- und spanischsprachigen Fachliteratur. Türkische Quellen wurden nur im Abschnitt zur Geschichte von al-Andalus herangezogen, und auch dort wurde das Problem der Schreibung „Kurtuba" ausdrücklich markiert. In der Debatte um das Ethnonym „Kurde" kamen sowohl der kontinuitätsorientierte Flügel (Driver, Izady) als auch der philologisch-minimalistische Flügel (Nöldeke, MacKenzie, Asatrian) aus ihren eigenen Quellen zu Wort; Asatrians dokumentierte polemische Haltung gegenüber den Kurdischen Studien wurde eigens vermerkt.

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