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BEDEL BOSELI
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Ist Kurdisch eine eigene Sprache oder nur ein Dialekt? Sprachfamilie, Grammatik und dreihundert Jahre Literatur: die klare Antwort der Sprachwissenschaft.

Ist Kurdisch eine Sprache oder ein Dialekt? Die klare Antwort der SprachwissenschaftLiteratur und Sprache
13. Juli 202612 Minuten Lesezeit10 views

Ist Kurdisch eine Sprache oder ein Dialekt? Die klare Antwort der Sprachwissenschaft

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Ist Kurdisch eine Sprache oder ein Dialekt? Die klare Antwort der Sprachwissenschaft

Auf einen Blick

  • Kurdisch ist eine eigenständige Sprache: Teil der indoeuropäischen Familie, iranischer Zweig, mit eigener Grammatik, eigenem Lautsystem und eigener Schriftliteratur. In der Sprachwissenschaft gibt es darüber keinen Streit.
  • „Iranisch“ ist der Name einer Sprachfamilie, nicht des heutigen Staates Iran. So wie Englisch eine germanische Sprache ist und die Engländer doch keine Deutschen sind, so ist Kurdisch eine iranische Sprache, ohne dass die Kurden aus dem Staat Iran stammen.
  • Die Hauptzweige des Kurdischen sind Kurmancî, Soranî und Südkurdisch (Kelhûrî, Feylî). Wo Zazakî und Goranî im Sprachbaum stehen, ist in der Sprachwissenschaft umstritten; das Kurdischsein ihrer Sprecher ist eine andere Frage und beruht auf Selbstverständnis.
  • Kurdisch kennt zwei grammatische Geschlechter, die Nomenbeugung und den Ergativ. Das Türkische kennt das nicht. Die Behauptung, Kurdisch sei verdorbenes Türkisch, hält vor der Sprachwissenschaft keine Minute stand.
  • Kurdisch hat mindestens dreihundert Jahre ununterbrochene Schriftliteratur: vom Diwan des Melayê Cizîrî über Ehmedê Xanîs Mem û Zîn bis zur ersten Zeitung von 1898 und zum Roman von heute.
  • Die Frage nach Sprache oder Dialekt ist meist keine wissenschaftliche, sondern eine politische Frage. Der berühmte Satz, den der Sprachwissenschaftler Max Weinreich überliefert, bringt es auf den Punkt: „Eine Sprache ist ein Dialekt mit Heer und Marine.“
  • Wie viele Menschen Kurdisch sprechen, weiß niemand genau; die Schätzungen der kurdischen Bevölkerung bewegen sich zwischen 30 und 45 Millionen. Schon dass es keine genaue Zahl gibt, ist ein Ergebnis der Unterdrückung dieser Sprache.
  • Kurdisch wird heute in zwei Alphabeten geschrieben: im lateinischen (vor allem Kurmancî) und im arabisch-basierten (vor allem Soranî). Auch diese Zweiteilung ist die Spur der Aufteilung auf vier Staaten.
  • Die Kurden gelten als eines der größten staatenlosen Völker des Nahen Ostens; ohne diese Lage lässt sich die Debatte um ihre Sprache nicht verstehen.

Das Kind kommt nach Hause. Die Großmutter ruft ihm auf Kurmancî zu: „Rojbaş, lawê min“, guten Tag, mein Sohn. Das Kind antwortet, denn das ist seine Sprache im Haus. Das Wiegenlied, das Märchen, der Tadel und die Zärtlichkeit: alles in dieser Sprache.

Am nächsten Morgen sitzt es in der Schule. Die Lehrerin schreibt an die Tafel. Die Sprache der Schule ist eine andere, und die Regel ist klar: Die Sprache von zu Hause wird hier nicht gesprochen. Über die Jahre lernt das Kind etwas, das niemand offen ausspricht und das doch aus den Wänden sickert: Die Sprache von zu Hause ist etwas Kleines. Eines Tages sagt es eine Lehrerin sogar laut: „Das ist ohnehin keine Sprache.“

Diese Szene hat sich im zwanzigsten Jahrhundert millionenfach abgespielt. Und die meisten dieser Kinder stellten, als sie erwachsen waren, dieselbe Frage: War die Sprache meiner Großmutter wirklich keine Sprache?

Dieser Beitrag ist die Antwort, die die Sprachwissenschaft auf diese Frage gibt. Die Antwort ist kurz: Es ist eine Sprache. Lang ist nur der Beweis für diese kurze Antwort.

Wer entscheidet, was Sprache ist und was Dialekt?

Legen wir zuerst die Begriffe auf den Tisch. Ein Dialekt ist eine der Spielarten, in die sich eine Sprache nach Landschaften teilt. Der deutsche Leser kennt das aus der eigenen Sprache: Hochdeutsch und Mundart, Standard und heimischer Klang. Man versteht einander, weil alles dieselbe Sprache ist.

Wer aber entscheidet, ob zwei Redeweisen zwei Sprachen sind oder zwei Dialekte einer Sprache? Das wichtigste Maß der Sprachwissenschaft heißt gegenseitige Verständlichkeit. Verstehen zwei Menschen einander, wenn jeder seine Muttersprache spricht, sind sie in derselben Sprache. Verstehen sie einander nicht, sind es zwei Sprachen. Dazu kommt der Vergleich des Baus: Lautsystem, Grammatik, Wortschatz.

Und dann gibt es die politische Seite, und die muss man nicht verstecken. Der Satz, den Max Weinreich überliefert, fasst die Lage: „Eine Sprache ist ein Dialekt mit Heer und Marine.“ Das Ansehen einer Sprache verleiht einer Redeweise meist die Macht eines Staates. Wer keinen Staat hat, dessen Rede wird zum Dialekt verkleinert. Schwedisch und Norwegisch stehen einander sehr nahe, doch weil es zwei Staaten gibt, sind es zwei Sprachen. Kurdisch und Türkisch stammen aus völlig verschiedenen Familien, doch weil das Kurdische staatenlos war, bekam es den Stempel Dialekt. Diese Schere zwischen Wissenschaft und Macht ist das Herz unseres Themas.

Zu welcher Familie gehört das Kurdische?

Wir ordnen Sprachen in Familien, weil auch Sprachen verwandt sind. Der Stammbaum des Kurdischen sieht so aus. Ganz oben steht die indoeuropäische Familie, die riesige Verwandtschaft von Englisch, Deutsch, Russisch, Griechisch, Persisch und Hindi. Ein Ast dieser Familie ist der indo-iranische; ein Zweig davon sind die iranischen Sprachen. Das Kurdische steht in deren nordwestlicher Gruppe. Die Belege und die sprachwissenschaftliche Literatur sind sich in dieser Einordnung einig; von der klassischen Arbeit des britischen Sprachwissenschaftlers D. N. MacKenzie aus dem Jahr 1961 bis zur heutigen Forschung verläuft die Linie gleich.

Hier ist eine lebenswichtige Warnung nötig. Das Wort „iranisch“ ist der Name einer Sprachfamilie, nicht des heutigen Staates Iran. Machen wir diesen Unterschied an einem Vergleich fest: Englisch ist als Sprachfamilie eine germanische Sprache; doch niemand zählt die Engländer zu den Deutschen, niemand sieht England als Teil Deutschlands. Genauso ist Kurdisch eine iranische Sprache; das heißt nicht, dass die Kurden aus dem Iran stammen oder dass Kurdisch ein Zweig des Persischen wäre. Kurdisch und Persisch sind Schwestersprachen; die eine ist nicht das Kind der anderen. Beide sind aus dem alten iranischen Sprachbecken auf getrennten Wegen bis heute gekommen. Der wichtigste Autor der Kurdologie, Dr. Mehrdad R. Izady, gibt das Maß mit einem einzigen Vergleich: Die Nähe von Kurdisch und Persisch ist so groß wie die von Deutsch und Dänisch. Verwandt, aber zwei getrennte Häuser.

Das Türkische stammt aus einer ganz anderen Familie: aus der türkischen Sprachfamilie. Die Verwandtschaft von Kurdisch und Türkisch ist also so groß wie die von Englisch und Japanisch: Es gibt keine. Jahrhunderte der Nachbarschaft brachten natürlich einen Austausch von Wörtern. Bedeutet das Verwandtschaft? Nein: Wörter zu leihen ist keine Verwandtschaft. Im Türkischen stehen Tausende arabische Wörter; niemand nennt das Türkische darum eine arabische Sprache.

Das eigene Haus: die Dialekte des Kurdischen

Kurdisch wird in einem weiten Raum gesprochen und teilt sich, wie jede große Sprache, in Zweige.

Der volkreichste Zweig ist das Kurmancî; es wird im Norden gesprochen, auf der Linie Türkei, Syrien, Kaukasus und in den nördlichen Streifen des Irak und des Iran. Der zweite große Zweig ist das Soranî; es ist im Zentrum der Autonomieregion Kurdistan im Irak und in den kurdischen Provinzen des Iran verbreitet. Im Süden gibt es Zweige wie Kelhûrî und Feylî; sie heißen zusammen Südkurdisch.

Dann gibt es Zazakî und Goranî, und hier muss man ehrlich sein: Die Wissenschaft teilt sich. Dr. Izady fasst die kurdische Sprachwelt in zwei Hauptgruppen: auf der einen Seite die Kurmancî-Gruppe (Nordkurmancî, Soranî und Kelhûrî), auf der anderen die Pehlewanî-Gruppe (Dimilî, also Zazakî, Goranî und Lekî). In dieser Lesart stehen Zazakî und Goranî nicht außerhalb des Kurdischen, sondern in seiner ältesten Schicht; die fast tausendjährige Schriftliteratur des Goranî ist der Grundbrief dieser Gruppe. Die Gegenlinie folgt MacKenzie: Diese Zweige seien nicht Teil des Kurdischen, sondern ein eigener Ast derselben nordwestiranischen Familie. Hier teilt sich die Forschung, und der Streit über den Stammbaum dauert an.

Doch ziehen wir eine dicke Linie zwischen zwei Dingen: Der Platz im Sprachbaum ist eine Sache, die Identität eine andere. Wie der Forscher Malmisanij belegt hat, zählt sich der größte Teil der Zaza in der Türkei seit Langem zu den Kurden; schon die Namen, die sie sich selbst geben, Kird und Kirmanc, tragen das. In der Frage der Identität hat nicht das Lineal das letzte Wort, sondern der Mensch selbst. Die Sprachwissenschaft streitet über den Stammbaum; wer sie sind, sagen die Menschen selbst.

Wie gut verstehen sich die Dialekte? Zwischen Kurmancî und Soranî ist die Verständigung schwer; in der Grammatik liegen ernste Unterschiede. Nimmt das dem Kurdischen den Rang einer Sprache? Nein. Auch zwischen den nördlichen Mundarten des Deutschen und dem Schweizerdeutschen ist die Verständigung schwer; zwischen dem marokkanischen und dem irakischen Arabisch ist sie fast unmöglich. Ein weiter Raum, eine tiefe Geschichte und die Grenzen von vier verschiedenen Staaten: Die Dialektunterschiede sind deren natürliche Folge.

Die Behauptung vom grammatiklosen Kurdisch: was sagt der Befund?

Im zwanzigsten Jahrhundert wurde vieles über das Kurdische gesagt: Es habe keinen Wortschatz, keine Grammatik, es sei ein Bergtürkisch. Diese Behauptungen hatten eines gemeinsam: Wer sie vortrug, konnte kein Kurdisch. Was findet, wer das Kurdische tatsächlich öffnet?

Im Kurdischen, im Kurmancî-Zweig, haben die Nomen zwei grammatische Geschlechter: männlich und weiblich. „Çem“, der Fluss, ist männlich, „çiya“, der Berg, ist männlich, doch „roj“, die Sonne, der Tag, ist weiblich. Wer Französisch oder Deutsch kann, erkennt dieses System. Das Türkische kennt es nicht.

Das Kurdische kennt die Nomenbeugung; die Nomen ändern ihre Form je nach ihrer Aufgabe im Satz. Und eine der merkwürdigsten Feinheiten des Kurdischen ist der Ergativ. Der Name soll nicht schrecken, der Gedanke ist einfach: Im Kurdischen nimmt in der Vergangenheit das Subjekt eines transitiven Verbs eine besondere Form an; das Gewicht des Satzes verschiebt sich auf das Objekt. Beim Satz „Ich aß den Apfel“ bringt das Kurmancî das „ich“ in eine andere Form: „Min sêv xwar.“ Diese Struktur gibt es nur in einem kleinen Teil der Sprachen der Welt; sie setzt das Kurdische in denselben eleganten Klub wie das Baskische und das Georgische. Die Feldübersicht von Geoffrey Haig und Ergin Öpengin aus dem Jahr 2014 gibt die Karte dieser Literatur.

Dass eine Sprache eine Sprache ist, zeigt auch ihr Wortschatz. Das Kurdische trägt den ganzen Reichtum der Begriffe einer Berglandschaft, der Viehzucht, des Ackerbaus und einer starken mündlichen Literatur. Für den Schnee, für die Benennung des Schafs nach Alter und Farbe, für die Grade der Verwandtschaft gibt es je eigene Wörter. Der Wortschatz der Völker ist der Spiegel des Lebens, das sie führen.

Ein Bücherregal von dreihundert Jahren

Denen, die sagen, ein Dialekt habe keine Literatur, antwortet das Kurdische mit einem Bücherregal.

Am Anfang des Regals steht der Diwan des Melayê Cizîrî: an der Wende vom sechzehnten zum siebzehnten Jahrhundert in Cizre geschrieben, Gedichte der Mystik und der Liebe. Daneben Feqiyê Teyran, der Dichter, der aus der Sprache der Vögel spricht. Dann 1694: Ehmedê Xanîs Mem û Zîn, das Hauptwerk des Kurdischen. Die Geschichte Xanîs haben wir in einem eigenen Beitrag erzählt; hier genügt ein Satz: Xanî hielt mit eigener Hand fest, dass er es schrieb, damit niemand sage, die Kurden hätten kein Buch.

Das Regal wuchs im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert mit der Presse: 1898 erschien in Kairo die erste kurdische Zeitung; in den 1930er Jahren begründete die Zeitschrift Hawar in Damaskus das lateinschriftliche Kurmancî; Radio Eriwan und Radio Bagdad übertrugen das Kurdische in ein Klangarchiv; der Soranî-Zweig wurde in Sulaimaniya und Hewlêr zur Sprache der Presse, der Dichtung und der Verwaltung. Heute wird auf Kurdisch der Roman geschrieben, an der Universität gelehrt, im Fernsehen gesprochen und, wie diese Zeilen zeigen, zum Gegenstand der Wissenschaft.

Dreihundert Jahre ununterbrochene Schrifttradition. Wie viele Dialekte können das von sich sagen?

Wie viele Menschen sprechen es?

Die ehrliche Antwort: Niemand weiß es genau. Die meisten Länder, in denen Kurden leben, führten keine Volkszählungen, die die Muttersprache sauber erfassten; in mancher Zeit kostete es sogar Mut, zu sagen, dass man Kurdisch spricht. Warum fehlt die Zahl? Weil ein Volk, das gezählt wird, zuerst anerkannt sein muss. Die Schätzungen bewegen sich darum in einem weiten Feld: Für die kurdische Bevölkerung werden Zahlen zwischen 30 und 45 Millionen genannt. Die Zahl der Sprecher liegt unter der Bevölkerungszahl; denn die Assimilation, also die Aneignung der Sprache und der Identität eines Volkes, riss über Generationen Millionen Kurden von ihrer Muttersprache los. Enkel, die in den großen Städten kein Wort Kurdisch mit ihrer Großmutter sprechen können, sind das lebende Zeugnis dieses Vorgangs.

In den internationalen Sprachkatalogen ist das Kurdische unter einem Dachcode mit seinen Zweigen verzeichnet. Fügen wir hinzu: Codetabellen sind Verwaltungswerkzeuge, kein Schiedsrichter der Identität. Den Wert einer Sprache bestimmt weder ein Code noch eine Grenze. Den Wert einer Sprache bestimmen die, die sie am Leben halten.

Warum wird die Frage noch immer gestellt?

Wenn die Sprachwissenschaft ihre Antwort vor hundert Jahren gab, warum ist die Frage nach der kurdischen Sprache dann noch immer im Umlauf?

Weil die Frage nie eine Frage der Sprachwissenschaft war. Eine Sprache zum Dialekt zu erklären, ist der erste Schritt, das Volk, das sie spricht, zur Untergruppe zu erklären. Geht die Sprache, so gehen danach die Folklore, die Geschichte, der Name. Darum wurde das Kurdische im zwanzigsten Jahrhundert nicht nur verboten; der Staat leugnete es, benannte es um, sammelte es aus dem Mund der Kinder ein. Und darum galten das Sprechen, das Schreiben, das Lesen des Kurdischen über Generationen als ein Akt der Existenz.

Dem Kind, das nach der Sprache seiner Großmutter fragt, können wir nun antworten. Diese Sprache stammt aus dem iranischen Zweig der indoeuropäischen Familie, sie hat zwei Geschlechter, einen Ergativ, ein Bücherregal von dreihundert Jahren, und zig Millionen Menschen halten sie am Leben. Was man in der Schule auch gesagt hat: Das Wiegenlied war in einer Sprache. Und Sprachen überleben in Wiegenliedern.

Häufige Fragen

In welche Sprachfamilie gehört das Kurdische? In die nordwestliche Gruppe des iranischen Zweigs der indoeuropäischen Familie. Es ist eine Schwestersprache des Persischen, nicht dessen Zweig. Mit dem Türkischen ist es nicht verwandt; das Türkische gehört zu einer eigenen Sprachfamilie.

Welche Dialekte hat das Kurdische? Die Hauptzweige sind Kurmancî, Soranî und Südkurdisch (Kelhûrî, Feylî). Wo Zazakî und Goranî im Sprachbaum stehen, ist umstritten: Dr. Izady zählt sie zur Pehlewanî-Gruppe des Kurdischen, die Linie MacKenzies ordnet sie als eigenen Ast ein. Die meisten ihrer Sprecher zählen sich zu den Kurden, und in der Identität gilt das Selbstverständnis.

Verstehen sich Kurdisch und Persisch? Nein. Beide sind iranische Sprachen, doch wie Spanisch und Italienisch sind es getrennte Sprachen; trotz gemeinsamer Wurzel haben sie eigene Grammatik und eigenen Wortschatz entwickelt.

Seit wann gibt es kurdische Schriftliteratur? Mindestens seit dem Ende des sechzehnten Jahrhunderts: der Diwan des Melayê Cizîrî, die Gedichte des Feqiyê Teyran, 1694 Ehmedê Xanîs Mem û Zîn, 1898 die erste Zeitung, 1932 die Zeitschrift Hawar und heute der Roman, die Presse, die Wissenschaft.

In welchem Alphabet wird Kurdisch geschrieben? In zwei Alphabeten: Kurmancî vor allem im lateinischen (dem Hawar-Alphabet), Soranî vor allem im arabisch-basierten. Diese Zweiteilung ist die Spur der Aufteilung des Volkes auf vier Staaten.

Quellen und weiterführende Literatur

Hauptquellen (aus der Sammlung Bedel Boseli):

  • Dr. Mehrdad R. Izady, The Kurds: A Concise Handbook (4. Auflage), Sprachkapitel; die Zweiteilung (Kurmancî und Pehlewanî) und der Vergleich Deutsch-Dänisch stammen von hier.
  • Malmisanij, Kırd, Kırmanc, Dımıli veya Zaza Kürtleri; über die Selbstbenennung und die Identität der Zaza.
  • Michael L. Chyet, Kurdish-English Dictionary; für Wortschatz und Definitionen.

Weiterführende Literatur:

  • D. N. MacKenzie, „The Origins of Kurdish“, Transactions of the Philological Society (1961).
  • Geoffrey Haig und Ergin Öpengin, „Kurdish: A Critical Research Overview“, Kurdish Studies 2(2) (2014).
  • Amir Hassanpour, Nationalism and Language in Kurdistan, 1918-1985 (Mellen Research University Press, 1992).
  • Joyce Blaus Arbeiten zur kurdischen Sprache und Literatur (Institut Kurde de Paris).

Social-Media-Kurztexte

Die folgenden Kurztexte sind zum Teilen gedacht; einfach kopieren und verwenden.

  1. „Eine Sprache ist ein Dialekt mit Heer und Marine.“ Schwedisch gilt als eigene Sprache, weil ein Staat dahintersteht. Kurdisch bekam den Stempel Dialekt, weil ein Staat fehlte. Die Wissenschaft sagt anderes: bedelboseli.com/de/ist-kurdisch-eine-sprache-oder-ein-dialekt

  2. Kurdisch ist eine iranische Sprache. Aber „iranisch“ meint eine Sprachfamilie, nicht den Staat Iran: Englisch ist auch germanisch, und Engländer sind keine Deutschen. Kurdisch ist nicht das Kind des Persischen, sondern sein Geschwister: bedelboseli.com/de/ist-kurdisch-eine-sprache-oder-ein-dialekt

  3. Grammatiklos nannte man das Kurdische. In Wahrheit hat es zwei Geschlechter, Nomenbeugung und den seltenen Ergativ. Das setzt es in denselben Klub wie Baskisch und Georgisch: bedelboseli.com/de/ist-kurdisch-eine-sprache-oder-ein-dialekt

  4. Vom Diwan des Melayê Cizîrî über Xanîs Mem û Zîn bis zur Zeitung von 1898 und zum Roman von heute: Kurdisch hat dreihundert Jahre ununterbrochene Schrift. Wie viele Dialekte können das sagen? bedelboseli.com/de/ist-kurdisch-eine-sprache-oder-ein-dialekt

  5. Eine Sprache zum Dialekt zu erklären, ist der erste Schritt, ein Volk zur Untergruppe zu erklären. Darum war die Frage nie sprachwissenschaftlich, sondern politisch. Die Antwort bleibt gleich: bedelboseli.com/de/ist-kurdisch-eine-sprache-oder-ein-dialekt

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