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BEDEL BOSELI
Vegere Gotaran

Vom eisernen Teppich aus Bijar bis zur feinen Webkunst von Sine: kurdische Teppichmotive, das Muster mîna xanî, Naturfarben und die Sprache der Weberinnen.

Kurdische Teppiche und Kelims: Eine gewebte SpracheKultur und Gedächtnis
13. Juli 202613 Minuten Lesezeit14 views

Kurdische Teppiche und Kelims: Eine gewebte Sprache

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Kurdische Teppiche und Kelims: Eine gewebte Sprache

Auf einen Blick

  • Das kurdische Siedlungsgebiet gehört zu den ältesten bekannten Adressen der Weberei. Im Fundort Çayönü nördlich von Diyarbekir fand sich ein Stoffstück von rund neuntausend Jahren; 1992 ging der Fund durch die Weltpresse.
  • Die assyrischen Paläste ließen Teppichmuster in ihre Steinböden meißeln. Dr. Mehrdad R. Izady schreibt, viele heutige kurdische Muster erschienen bereits auf diesen steinernen Teppichen.
  • Das Weben ist überwiegend Frauenarbeit. Der Webstuhl geht von der Mutter auf die Tochter über; das Muster wird nicht vom Papier gelesen, sondern aus dem Gedächtnis.
  • Der Teppich aus Bijar ist für sein dichtes Gewebe berühmt; der Handel nennt ihn den eisernen Teppich Persiens.
  • Die Webkunst von Sine (mit altem Namen Senneh) ist für ihre Feinheit bekannt. Der feine Knoten heißt im Westen nach dieser kurdischen Stadt der Senneh-Knoten.
  • Auf dem Markt laufen diese Gewebe meist als Perserteppich oder als anatolischer Kelim. Dr. Izadys Befund ist hart: Mehr als drei Viertel der handgeknüpften Teppiche und Kelims in der Türkei sind kurdischen Ursprungs; kein einziges Stück trägt dieses Etikett.
  • Das Muster mîna xanî gilt als eine der Signaturen des kurdischen Teppichs; seine Spur reicht bis in die assyrischen Aufzeichnungen.
  • Die Deutungen der Motive wechseln von Gegend zu Gegend: das Widderhorn, das Auge, der Wasserlauf. Ein festes Symbolwörterbuch gibt es nicht; es gibt das, was die Weberinnen erzählen.
  • Die drei Säulen der Naturfarbe sind Krappwurzel, Walnussschalen und Indigo. Der Kelim ist Flachgewebe, der Teppich geknüpft.
  • Heute drängen Maschinenteppich und Abwanderung den Handwebstuhl in die Ecke. Das Interesse der Sammler trug alte kurdische Gewebe in die Auktionskataloge.

Am Webstuhl sitzt eine Frau. In Sine, in Bijar, in Hakkari oder in Chorasan; das Jahrhundert spielt keine Rolle, die Szene bleibt gleich. Die Finger wandern zwischen den Kettfäden. Gefärbte Wolle wird Knoten für Knoten gebunden. Die Frau liest das Muster nicht von einem Blatt; sie kennt es auswendig. Sie hat es von ihrer Mutter gelernt, die Mutter von ihrer.

Jahre später kommt dieses Gewebe in einen Auktionskatalog. Auf dem Etikett steht: „Antiker Perserteppich, Bijar." Der Name der Weberin fehlt. Der Name ihres Volkes auch.

Dieser Text erzählt die Sprache hinter dem Etikett: wer gewebt hat, wo gewebt wurde, was die Motive sagen und, ehrlich gesagt, was man nicht weiß. Was verrät ein Teppich, wenn niemand mehr weiß, wer ihn geknüpft hat?

Wer webt? Die Arbeit am Webstuhl

Die erste Wahrheit des kurdischen Gewebes ist das Geschlecht der Arbeit. Teppich und Kelim weben überwiegend Frauen. Das Mädchen lernt den Webstuhl im Spielalter; seine Aussteuer webt es mit eigenen Händen; das auswendig gelernte Muster sinkt wie ein Erbe von Generation zu Generation. Die belegte Geschichte der kurdischen Frau haben wir an anderer Stelle erzählt; der Webstuhl ist ihre stillste Seite.

Das Nomadenleben macht diese Arbeit noch sichtbarer. Dr. Izady gibt ein aufschlussreiches Detail: Nomadinnen weben auf kleinen, ein bis zwei Handspannen breiten Webstühlen, die auf dem Tierrücken mitreisen; zwei solcher Streifen nebeneinandergenäht ergeben einen Kelim. Die Zeit, die der Weg sonst verschlänge, wird so zum Muster. Die Nahtstellen passen oft nicht genau; das Muster verrutscht ein wenig. Genau dieses Verrutschen sucht der westliche Käufer heute als Zeichen des Echten.

Gibt es also eine Signatur unter dem Teppich? Nein. Die Signatur ist das Muster. Die Windung eines Motivs, der Ton einer Farbe, das Verrutschen einer Naht: das ist die Handschrift der Weberin. Darum ist der Titel dieses Textes kein Schmuck. Das Gewebe ist wirklich eine Sprache; ihr Alphabet ist der Knoten.

Wie alt ist das Weben? Von Çayönü zu den assyrischen Palästen

Wie alt ist diese Sprache? Hier hat das Dokument das Wort.

Bei der Grabung Çayönü nördlich von Diyarbekir, der großen Stadt im kurdischen Südosten der Türkei, fand sich ein Stoffstück. Seine Datierung reicht um 7000 vor unserer Zeitrechnung zurück, also rund neuntausend Jahre. Dr. Izady zufolge ist dieses Stück das älteste bekannte echte Gewebe der Welt; sein Fund wurde 1992 gemeldet. Bei Jarmo nahe Sulaimaniyya fanden sich Abdrücke, die Stoffe auf Ton hinterlassen hatten; sie sind noch etwas älter.

Der Teppich, also das geknüpfte Gewebe, kommt später. Dr. Izady verfolgt seine Spur in den assyrischen Aufzeichnungen. Auf dem Schwarzen Obelisken des assyrischen Königs Salmanassar III. aus dem neunten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung sieht man an Stangen getragene, schwer gefranste Teppiche; die Kleidung der Träger weist auf das Bergland nordwestlich von Assyrien. Noch eindrücklicher sind die Steinböden. Die assyrischen Paläste ließen ihre liebsten Teppichmuster in Stein meißeln. Dr. Izady und die Teppichforscherin Anahid Akasheh stellen fest: Auf diesen Steinböden erscheinen die Grundmuster des heutigen kurdischen Teppichs.

Eine Ehrlichkeitsnotiz gehört hierher. Diese alten Aufzeichnungen kleben keinem Gewebe ein Etikett „kurdische Arbeit" an; den kurdischen Namen selbst gibt es noch nicht. Was die Aufzeichnungen zeigen, ist Geografie und Kontinuität: dieselben Berge, im Abstand von Jahrtausenden, dieselbe Musterfamilie.

Der Fehler auf dem Etikett: kurdische Gewebe, persisch genannt

Gehen wir auf den Basar. Unter welchem Namen verkauft der Weltmarkt heute die kurdischen Gewebe?

Meist nicht unter ihrem eigenen. Teppiche aus Bijar und Sine kommen als Perserteppich in die Kataloge; dass die Weberinnen Kurdinnen sind, bleibt eine Fußnote für den Kenner. In der Türkei werden Handgewebe nach Provinznamen benannt. Dr. Izadys Befund ist hier hart: Mehr als drei Viertel der handgeknüpften Teppiche und Kelims in der Türkei sind kurdischen Ursprungs; doch innerhalb dieser Grenzen wird kein einziges Stück als kurdisch etikettiert.

Das ironischste Beispiel der Namensverwirrung steckt im Knoten. Die Teppichkunst kennt zwei Knotensysteme: den groben, aber festen symmetrischen Knoten und den feinen, für filigrane Arbeit geeigneten asymmetrischen Knoten. Der Westmarkt nennt den asymmetrischen den Senneh-Knoten; Senneh, also das heutige Sine, ist eine kurdische Stadt. Dr. Izady hält diese Benennung für eine erstaunliche Ungenauigkeit; denn diesen Knoten verwenden vor allem persische Zentren wie Isfahan und Kaschan. Das Ergebnis ist ein seltsames Bild: Der Markt gab den Namen der kurdischen Stadt einer persischen Technik und verkaufte den kurdischen Teppich unter dem Etikett Persiens.

Warum kam es so? Wegen der Staatenlosigkeit. Die Kurden sind eines der größten staatenlosen Völker des Nahen Ostens, zwischen 30 und 45 Millionen Menschen in den Bergen, wo die Türkei, der Iran, der Irak und Syrien zusammentreffen. Teppiche wurden nach Grenzen, Zöllen und Marktstädten benannt; selbst Marco Polo nannte das Gewebe, das er sah, nicht nach dem Dorf seiner Herstellung, sondern nach dem Markt seines Verkaufs. Das Volk ohne Staat bekam auch kein Etikett.

Webregionen: das Eisen von Bijar, die Feinheit von Sine

Ist der kurdische Teppich überall gleich? Nein. Er trägt von Region zu Region einen eigenen Charakter.

Bijar ist eine Kleinstadt in Ostkurdistan, dem kurdischen Westen des heutigen Iran, und hat in der Welt der Teppiche einen Legendennamen: der eiserne Teppich Persiens. Die Weberinnen erklären das Verfahren so: Die Wolle wird nass verwebt, die Schussfäden werden mit einem schweren Kamm festgeschlagen; beim Trocknen zieht sich der Teppich zusammen, und ein steinhartes Gewebe entsteht. Der Teppich aus Bijar ist schwer und lässt sich nicht leicht falten; die Händler tragen ihn ungefaltet als Rolle. Seine Haltbarkeit misst sich in Jahrhunderten.

Sine, mit altem Namen Senneh, ist der Gegenpol: Feinheit. Es war die Hauptstadt des Fürstentums Erdelan; Dr. Izady schreibt, die Palastteppiche von Bijar und Senneh des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts seien unter dem Schutz der Fürsten von Erdelan für den wählerischsten Geschmack geknüpft worden. Die Anordnung mit Medaillon, die Schildkrötenbordüre und das Fischmuster sind das Siegel dieser Schule.

Die Liste wird länger. Bei Kermanschah webt der Stamm der Kolyai seine festen Dorfteppiche. Auf der Linie Hakkari-Mossul sind die Kelims des Stammes der Herkî bekannt; die Kelimtradition von Van und Hakkari haben westliche Forscher eigens untersucht. Die Linie Cizre-Botan gehört zu den starken nördlichen Gliedern der Kelim- und Flachwebtradition. Und es gibt ein Exilgewebe: Die im sechzehnten Jahrhundert nach Chorasan verschleppten Kurden nahmen ihre Webstühle mit; Dr. Izady zählt die Gegend um Quçan, Şirvan und Bocnurd als lauter Webprovinzen auf. In Waramin bei Teheran wurden kurdische Muster sogar weiter gewebt, nachdem die Kurden längst assimiliert und verschwunden waren. Dr. Izady vergleicht diese Spuren mit einer Visitenkarte: Das Volk geht, sein Muster bleibt.

Was erzählen die Motive? Das Wörterbuch der Weberinnen

Kommen wir zur häufigsten Frage: Was bedeuten die Motive?

Hören wir zuerst den Weberinnen zu. Die Weberinnen erzählen es so: Das Widderhorn (koçboynuzu) trägt Fruchtbarkeit und Kraft; elibelinde steht für Mutterschaft und Fruchtbarkeit; göz und muska, Auge und Amulett, schützen vor dem bösen Blick; der Wasserlauf (su yolu) zeigt das fließende Leben und die Fülle; der Stern ist mancherorts ein Zeichen des Glücks, andernorts des Glaubens. Diese Deutungen wurden am Webstuhl, am Rand des Teppichs, auf dem Aussteuerkasten über Generationen weitergesagt.

Nun der Anteil der Ehrlichkeit. Hier teilt sich die Forschung. Die eine Seite hält diese Deutungen für die Reste einer jahrtausendealten Symbolsprache. Die andere Seite sagt, die meisten Bedeutungen hätten sich erst in jüngerer Zeit verfestigt, auch am Verkaufstisch und in den Katalogen. Beide Seiten haben Belege in Stücken. Ein festes Symbolwörterbuch aufzuzwingen wäre nicht ehrlich; dasselbe Motiv wird in einem Tal so, im Nachbartal anders erzählt. Wenn das Motiv ein Wort ist, dann ein Wort, dessen Bedeutung von Mund zu Mund wechselt.

Dem Dokument am nächsten sind die Namen der Motive. Dr. Izady listet die Hauptmotive des kurdischen Teppichs als Feldaufnahme: harşang (die Krabbe), raqa (die Wasserschildkröte), kîsel (die Landschildkröte), mâsî awita (Fisch und Seerose; die westlichen Kataloge nennen es Herati), gul (gezacktes Rautenmuster und Rosette), çwarsûç (vier Ecken, vier Wege), şaxî (das Hirschgeweih), gulâla (die Rose). Diese Namen sind keine Erfindung des Marketings, sondern das eigene Wörterbuch der Weberinnen.

Mîna xanî: die Signatur eines Musters

Wenn beim kurdischen Teppich nur ein einziges Muster genannt werden soll, dann ist es mîna xanî. Was macht es zur Signatur?

Mîna xanî ist eine Feldanordnung: große, weit gesetzte, geschwungene Blütenornamente, oft wie ein Gitter miteinander verbunden. Dr. Izady sieht es als Gleichgewicht zwischen zwei Enden: zwischen dem dicht gemusterten pirgul und dem kantigen çwarsûç. Er berichtet, man nenne es das typischste der kurdischen Muster; sein eigenes Maß ist vorsichtiger, er stellt drei Grundanordnungen gleich. Die Spur des Musters ist alt: Dieselbe Anordnung erscheint auf den oben erwähnten assyrischen Steinböden.

Es gibt noch ein Detail. Dr. Izady schreibt, ein altes Zeichen der jesidischen Frauen, das Hund, Schlangenhöhle und Sonnenscheibe vereint, wandere in stilisierter Form über den mîna-xanî-Grund. Und es gibt die hawzî-Anordnung (der Teich): ein tiefblauer Wassergrund, Seerosen und dazwischen schwimmende Schildkröten. Dr. Izady bindet diese Anordnung an die sehr alten Schichten des Xidir-Glaubens, der mit Unsterblichkeit verbunden wird. Diese Verbindungen sind seine Deutung; das Muster selbst steht sichtbar am Webstuhl.

Das Lesen des Musters lässt sich gut mit der mündlichen Überlieferung vergleichen. Das Lied des dengbêj trug das Gedächtnis mit der Stimme; diese Geschichte haben wir gesondert erzählt. Der Webstuhl tat dieselbe Arbeit mit dem Faden. In beiden gibt es einen Text und keine Signatur; in beiden ist die Trägerin meist eine Frau.

Was unterscheidet Kelim und Teppich? Und der Färberkessel

Trennen wir zwei oft verwechselte Wörter. Der Kelim ist Flachgewebe: Schuss und Kette werden flach verwoben, es gibt keinen Flor; er ist leicht, beide Seiten sind nutzbar. Der Teppich ist geknüpftes Gewebe: Jeder Knoten wird einzeln gebunden und geschnitten; so entsteht der Flor, jene weiche, flauschige Oberfläche. Der Kelim ist schneller und billiger; der Teppich haltbarer und teurer. Im kurdischen Haus teilen sie sich die Arbeit: der Kelim für Boden und Wand, der Teppich für den Ehrenplatz.

Die Meisterschaft beginnt beim Faden. Dr. Izady gibt einen technischen Fingerabdruck: Beim kurdischen Teppich ist die Kette fast immer zweifach gezwirnte Wolle; die Brustwolle des Schafs gilt als die beste. Wer eine dreifache Kette sieht, zweifelt, ob der Teppich kurdische Arbeit ist.

Die Farbe kommt aus dem Kessel. Die Weberinnen nennen die drei Säulen der Naturfärberei: Krappwurzel für Rot, Walnussschalen für die Brauntöne, Indigo für Blau. Dr. Izady vermerkt, im leuchtenden Rot der kurdischen Stickereien steckten Krapp und die Kermeslaus. Die Naturfarbe verblasst nicht; sie altert. Die Farben eines alten kurdischen Teppichs schreien darum nicht, sie vertiefen sich. Kocht dieser Kessel heute noch? Die synthetische Farbe ist billig und hat längst die meisten Webstühle erreicht; die Naturfarbe ist Sache der engagierten Werkstätten und der Sammlerstücke geworden.

Heute: Maschine, Abwanderung, Sammler

Das zwanzigste Jahrhundert versetzte dem Handwebstuhl zwei Schläge: den Maschinenteppich und die Abwanderung. Bedeutet das das Ende? Leert sich das Dorf, steht auch der Webstuhl still; die in der Stadt gewebte Aussteuer wurde zum Maschinenteppich aus dem Basar. Die handgewebte Stoffproduktion war in Kurdistan ohnehin schon zu Ende; Dr. Izady schreibt es klar. In den Werkstätten von Sine gibt es Versuche, die alte Palastfeinheit wiederzubeleben; Dr. Izady blickt skeptisch darauf, denn die alte Welt der Förderung, die diese Feinheit bestellte, gibt es nicht mehr.

Doch die zweite Hälfte der Geschichte überrascht. Auf dem lokalen Markt war der kurdische Teppich die Ware des Armen; der Städter nannte ihn mit leiser Geringschätzung „qalî xirsak", also Bärenteppich. Dann entdeckte der Westmarkt genau diese grobe, farbenreiche, unbekümmerte Schönheit. Dr. Izadys Beobachtung ist klar: Was einst für die Armen gewebt wurde, ist heute Sammlerware; die Preise haben die Kaufkraft des traditionellen Käufers längst überstiegen. Der amerikanische Diplomat William Eagleton widmete den kurdischen Teppichen 1988 ein eigenes Buch; heute verkaufen die großen Auktionshäuser antike Stücke aus Bijar und Senneh unter eigener Rubrik.

Das Ergebnis passt in zwei Sätze. Der Webstuhl ist seltener geworden; die Sprache ist noch nicht tot. Und das Archiv dieser Sprache liegt, noch vor den Museen, auf dem Ehrenplatz der Häuser ausgebreitet. Schauen Sie bei Ihrem nächsten Besuch auf den Boden: Das Muster erzählt Ihnen vielleicht etwas.

Häufige Fragen

Woran erkennt man einen kurdischen Teppich? Ein sicheres Rezept gibt es nicht; die Fachleute achten auf mehrere Spuren zugleich: die Musteranordnung (mîna xanî, pirgul, çwarsûç), die Motivfamilie (Schildkröte, Krabbe, Fisch und Seerose), die zweifach gezwirnte Wollkette und den je nach Gegend eigenen Gewebecharakter. Keine Spur allein genügt.

Was ist mîna xanî? Eine Feldanordnung und eines der Signaturmuster des kurdischen Teppichs: große, weit gesetzte, geschwungene Blütenornamente. Dr. Mehrdad R. Izady schreibt, eine ähnliche Anordnung erscheine auch auf den Steinböden der assyrischen Paläste.

Warum heißt der Teppich aus Bijar der eiserne Teppich? Weil er mit nasser Wolle gewebt und mit schwerem Kamm verdichtet wird, entsteht beim Trocknen ein steinhartes, sehr dichtes und sehr schweres Gewebe. Der Teppichhandel etikettierte diese Haltbarkeit mit dem Wort vom eisernen Teppich Persiens; die Weberinnen sind Kurdinnen.

Was unterscheidet Kelim und Teppich? Der Kelim ist Flachgewebe, florlos, leicht. Der Teppich ist geknüpft; jeder Knoten wird einzeln gebunden, es entsteht eine flauschige Oberfläche. Arbeit, Zeit und Preis unterscheiden sich deshalb.

Sind die Bedeutungen der Motive sicher? Nein. Es gibt die Deutungen, die die Weberinnen erzählen: das Widderhorn für Fruchtbarkeit, das Auge gegen den bösen Blick, der Wasserlauf für das Leben. Doch die Deutungen wechseln von Gegend zu Gegend, und die Forschung betrachtet Symbolwörterbücher mit Vorsicht. Ein Anspruch auf Sicherheit wäre nicht ehrlich.

Quellen und weiterführende Literatur

Hauptquellen (aus der Sammlung Bedel Boseli):

  • Dr. Mehrdad R. Izady, The Kurds: A Concise Handbook (4. Auflage); die Kapitel „Rugs & Fabrics" und „Decorative Designs & Motifs". Das technische Rückgrat dieses Textes, die Motivnamen und die historischen Belege stammen von hier.
  • Dieselbe Arbeit, die Kapitel zur Anthropogeografie; die Verschleppung nach Chorasan und die Webprovinzen.

Weiterführende Literatur:

  • William Eagleton, An Introduction to Kurdish Rugs and Other Weavings (1988).
  • A. Cecil Edwards, The Persian Carpet (1953).
  • Anahid Akasheh, Aufsätze über kurdische Gewebe (Kurdish Times, ab 1986).
  • Anthony Landreau, „Kurdish Kilim Weaving in the Van-Hakkari District of Eastern Turkey" (1973).
  • Yanni Petsopoulos, Kilims: The Art of Tapestry Weaving in Anatolia, the Caucasus and Persia (1979).
  • Wilfried Stanzer, Kordi: Lives, Rugs and Flat Weaves of the Kurds in Khorassan (1988).
  • Die Katalognotizen der großen Auktionshäuser und Teppichgalerien zu Bijar und Senneh.

Social-Media-Kurztexte

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  1. Das Auktionsetikett sagt „Antiker Perserteppich". Gewebt hat ihn eine kurdische Frau in Bijar oder Sine. Dr. Izadys Befund ist härter: Drei Viertel der Handgewebe der Türkei sind kurdisch, kein einziges trägt diesen Namen: bedelboseli.com/de/kurdische-teppiche-und-kelims

  2. Das Stoffstück aus Çayönü bei Diyarbekir ist rund neuntausend Jahre alt, eines der ältesten bekannten Gewebe der Welt. Im kurdischen Siedlungsgebiet ist der Webstuhl älter als die Schrift: bedelboseli.com/de/kurdische-teppiche-und-kelims

  3. Die Händler nennen den Bijar den eisernen Teppich Persiens: nass gewebt, mit dem Kamm geschlagen, beim Trocknen steinhart. Er lässt sich nicht falten, reist als Rolle, hält ein Jahrhundert. Die Weberinnen sind kurdisch: bedelboseli.com/de/kurdische-teppiche-und-kelims

  4. Das Widderhorn für Fruchtbarkeit, das Auge gegen den bösen Blick, der Wasserlauf für das Leben: So erzählen es die Weberinnen. Die Forschung bleibt vorsichtig, ein festes Symbolwörterbuch gibt es nicht: bedelboseli.com/de/kurdische-teppiche-und-kelims

  5. Der Städter verspottete ihn als Bärenteppich, die Ware des Armen. Heute sind dieselben Stücke Sammlerware in den Auktionen des Westens. Die hundertjährige Ansehensreise des kurdischen Teppichs: bedelboseli.com/de/kurdische-teppiche-und-kelims

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